Vielleicht müssen wir Sebastian Edathy dankbar sein. Der Skandal um sein Interesse an Jungen im Adamskostüm legt den Filz bloß, der zwischen den angeblich in politischer Konkurrenz befindlichen Parteifunktionären an den Schalthebeln der Macht wuchert.

Als Friedrich zurücktrat lobte Sigmar Gabriel den CSU-Mann in den höchsten Tönen für seine rechtswidrige Indiskretion und demonstrierte so eindrucksvoll, dass innerhalb unsere Politelite Recht und Gesetz zweitrangig sind. Stattdessen herrscht eine Art „Ehre der Diebe“, wie man sie aus der Welt des organisierten Verbrechens kennt. Mafiosi mögen Berufskriminelle sein, aber sie respektieren die ungeschriebenen Regeln der eigenen Zunft. Gianni Piedro Friedrich hat sich an diese Regeln gehalten, als er das Dienstgeheimnis brach, um Schaden vom Koalitionspartner und damit auch der kommenden Regierung abzuwenden. Deswegen, und weil er bereitwillig als Bauernopfer zur Verfügung stand, hatte die Capo dei capi Angela Merkel ebenfalls nur lobende Worte für den selbstlosen Charakter des scheidenden Minister übrig. Unbedingte Loyalität zu den eigenen Leuten ist ein hohes Gut in der ehrenwerten Gesellschaft.

Jeder, der “Der Pate”  gesehen hat weiß aber auch, wie in solchen Kreisen mit Verrätern verfahren wird. Für Thomas Opperman wird es jetzt eng, weil er Friedrich und den BKA-Chef Jörg Ziercke ans Messer lieferte. Falls letzterer dem Edathy-Freund wirklich Auskunft über den Stand der Ermittlungen gab, hat er aus Sicht der Berliner Mafia durchaus anständig gehandelt. Ein vertrauliches Wort unter Parteikollegen kann schließlich niemand verwehren. Aus beamtenrechtlicher Sicht wäre Ziercke dann allerdings Job und Pension los.

Plaudertaschen wie Oppermann mögen die Freunde der italienischen Oper hingegen gar nicht. Immerhin droht dem SPD-Fraktionsvorsitzenden kein Bad in der Spree mit Beton an den Füssen sondern nur die Verbannung auf die hinteren Bänke des Bundestages. Die anstehende Diätenerhöhung tröstet dann vielleicht sogar ein bisschen.

Live aus der GroKo