Wie man peinliche Vorkommnisse skandalisiert, zeigt diese Meldung: Eine leitende Mitarbeiterin des ADAC habe ihren Sohn und seinen Freund per ADAC-Rettungsflieger in den Urlaub geschickt. Dass das nur die halbe Wahrheit ist, versteht sich von selbst und zeigt, wie plump der Medienmainstream mittlerweile skandalisiert, um Klicks, User, Leser oder Zuschauer zu maximieren. Viel interessanter wäre es doch, herauszufinden, im wessen Interesse das ADAC-Bashing eigentlich ist? By the way: Ich bin AvD-Mitglied. 

Wahrscheinlich war es so: Der junge Mann und sein Freund hatten ihren Flug zu einem Charterurlaub verpasst. Die helfende Mutter erkundigte sich bei der Flugrettung, ob per Zufall irgend ein Flieger nach Ägypten fliegen würde. Die jungen Männer fuhren nach Augsburg und nahmen in einem Flugzeug Platz, das ohnehin auf dem Weg nach Ägypten war, um dort einen Patienten abzuholen. Deshalb war auch ein Notarzt an Bord. Dem ADAC,  der Versicherungsgesellschaft, den Mitgliedern oder gar der Öffentlichkeit ist kein Schaden entstanden.

Trotzdem war die Angelegenheit natürlich nicht rechtens. Und ein Beweis für die funktionierenden Kontrollmechanismen des Clubs. Als die Sache publik wurde, vor fast einem Jahr, wurde die Geschäftsführerin der ADAC-Tochter gefeuert. Punkt.

Natürlich ist der ADAC ein Wirtschaftsunternehmen. Und dass er als Eigentümer zahlreicher Kapitalgesellschaften seinen Mitgliedern Vorteile gewährt, die anderen verwehrt bleiben, ist nur recht und billig. Denn die zahlen für diesen Vorteil auch einen Mitgliedsbeitrag.

Im übrigen gilt in Deutschland Vertragsfreiheit. Ob jemand ADAC-Mitglied ist oder nicht, ist seine eigene Entscheidung. Ein Skandal von öffentlichem Interesse entstünde doch wohl erst, wenn die Funktionäre sich auf Kosten der Mitglieder bereichern. Ist das wirklich der Fall, wenn ein Hubschrauber den Rasen des Fußballstadions in Braunschweig trocknet und die Flugrettung der Stadt eine entsprechende Rechnung stellt, die auch bezahlt wird.

Was an dem ganzen “Skandal” entsetzt: Dass die gesamten Mainstream-Medien die Skandalisierung mit betreiben wie die Lemminge, statt ihrer vermeintlichen journalistischen Sorgfaltspflicht nachzukommen. Dass sie eben nicht einordnen und bewerten sondern schonungslos nachplappern und im copy and paste Stil weiter verbreiten.

Die Art und Weise, wie hier aus einer Mücke ein Elefant digitalisiert wird, gefährdet die veröffentlichte Meinung. Wenn niemand mehr auf die Bremse tritt, wenn keiner an eine Meldung halbwegs klare Maßstäbe anlegt und so den Alltag und seine unangenehmen Vorkommnisse skandalisiert, dann entsteht ein verzerrtes Bild der Realität.

Der Kampagnenjournalismus dieser Art erfasst alle Blätter, Medien und Websites. Nirgends ist ein Aufschrei darüber zu hören. Die Presse verkommt zum Pranger, bei dem die Folter in der Veröffentlichung besteht, gegen die sich der Getroffene in keiner Art und Weise wehren kann.