Das ist schon das zweite Mal, dass ich an dieser Stelle meine Unterstützung für die Betonfrisursozialistin kundtun muss. Und diesmal ist das noch nicht einmal ironisch gemeint. Natürlich ist Wagenknecht nicht das Opfer von Markus Lanz, dafür ist das intellektuelle Gefälle zwischen dem braven Staatsfunkconferencier und alerten Altstalinistin zu steil. Die Petition gegen Lanz ist trotzdem gerechtfertigt, denn selbst wenn genervter Zuschauer „einfach umschalten“, ihre Zwangsgebühren fließen weiter. Wer „Demokratieabgaben“ einfordert, der muss auch Onlinepetitionen aushalten können.

An einigen Stellen ist jetzt zu lesen, das Problem läge nicht bei Lanz, sondern bei Wagenknechts „fragwürdigem Europabild“. So bezeichne die Linkspartei die EU doch glatt als „militaristisch“. Na und? Die Linke meint damit zwar ein paar popelige „Stabilisierungseinsätze“ in Afrika, aber vom Grundsatz her haben die Ex-SEDler Recht. Die EU führt an ihren Außengrenzen einen schmutzigen Krieg gegen Migranten, der bereits tausende Todesopfer gefordert hat. Es wird aktuell im Auftrag der Grenzagentur Frontex an einem umfassenden Grenzsicherungssystem einschließlich Drohnen, Robotern, radargestützten 3-D-Luftüberwachungssystemen und einem geschützten „Kommunikationsnetz in Echtzeit“ geforscht. Wer findet, dass das doch nur ein Problem unerwünschter Zuwanderer sei, der soll sich fragen was die EU davon abhalten wird, diese Systeme nicht auch irgendwann zur Überwachung ihrer Bürger einzusetzen.

Wagenknecht wollte bei Lanz partout nicht die ewige Existenz des Euro beschwören und setzte „mehr EU“ mit „Demokratieabbau“ gleich. Eine völlig korrekte Aussage angesichts der Übertragung wichtiger politischer Entscheidungen an die Zentralmacht in Brüssel, die sich der Kontrolle der Bürger weitgehend entzieht. Das mit wenigen Kompetenzen aber dafür umso mehr diätengeilen B-Politikern ausgestattete EU-Parlament kann hier kein Gegengewicht bilden. Deswegen ist die Schwächung nationaler Parlamente im Zuge dieser Machtverlagerung auch so problematisch.

Die Folgen der Zentralverwaltungswirtschaft à la Brüssel werden in der Eurokrise offenbar, und man kann Wagenknecht nur zustimmen, wenn sie sich nicht „zum heutigen Europa mit seinen 19 Millionen Arbeitslosen“ bekennen will. Natürlich will die Linke nicht mehr Freiheit für Europa, sondern nur Autokratie nach ihrer Façon. Wäre die EU wirklich „neoliberal“, wie Wagenknecht und Konsorten behaupten, dann hätten wir offenen Grenzen für Menschen und Waren und sicher auch keine planwirtschaftliche Zentralwährung.

Das ist aber nicht der Punkt. Wagenknechts Haltung zur EU sollte im Staatsfunk als per se indiskutabel vorgeführt werden, weil sie eine kritische ist. Da sollten gerade Liberale aufhorchen.