Das Erscheinen der Alternative für Deutschland auf der politischen Bühne bedeutet vor allem eines: diese Zusammenhänge kommen den Bürgern zu Bewusstsein, der Widerstand hat begonnen. Die bürgerliche Mitte ist heute – paradox genug – die eigentlich revolutionäre Klasse. Der Endzweck dieser Revolution ist freilich nicht die klassenlose Gesellschaft, sondern die Wiederherstellung der sozialen Marktwirtschaft und der Souveränität des Volkes gegenüber dem Lobbyismus.

Das schreibt Marc Jongen, Stellvertretender AfD Sprecher in Baden-Württemberg und Sloterdjeik Assi im Professorenrang im wiederbelebten CICERO ONLINE. Im Vergleich zur weichgespülten Lindner-FDP starke Worte, die an Rechtsstaat und Wettbewerb erinnern. Vieles, was man aus der Partei liest und hört, verwundert. Solch eine Neugründung  zieht natürlich Skurille aller Art an wie das Licht Motten. Aber wie die turbulenten Ereignisse im Landesverband Hessen zeigen, werden dort auch nicht sozialisierbare Personen und Ansichten aussortiert. Da geht es nicht so formvollendet zu wie in den Hinterzimmern der FDP, wo Alexander Graf Lambsdorff nicht wegen seiner Person sondern wegen seines Namens als Spitzenkandidat ausgeküngelt wird. So gesehen ist er ein Etikettenschwindel. Denn er taugt kaum als ordnungspolitisches Gewissen, wie es sein schon 2009 verstorbener Onkel tat.

Wer älter ist, erinnert sich an die Geschichte der Grünen in den Achtziger Jahren. Auch dort war die Streitkultur konfliktfreudig und jahrzehntelang tobte der Kampf zwischen ökokommunistischen “Fundis” und establishmentwilligen “Realos”, bis erstere durch die Auseinandersetzung weichgeschliffen schienen oder die Partei verlassen hatten. Dass Jürgen Trittin (Ex-Fundi) aufgrund des gefühlten “Linksrucks” in der Gesellschaft noch einmal einen sozialistischen Reflex in´s Parteiprogramm schmuggeln konnte, hat die Grünen die Regierungsbeteiligung gekostet. Das wird ihnen eine Lehre sein.

Dass innerhalb der AfD ein entsprechender Kampf um die Ausprägung als liberal-konservative Partei tobt und das auch reaktionäre Kräfte gelegentlich ihre Bühne finden, wird der Partei genauso wenig schaden wie einst Jutta Dittfurth den Grünen.

Dabei werden bedenkenswerte Äußerungen von AfD Sprecher Bernd Lucke oft genug tabuisiert. Ein klassisches Beispiel ist seine Feststellung, Thomas Hitzlberger hätte die Werte der Familie beschwören sollen. Ist es nicht tatsächlich so, dass es bald notwendig wird, dass sich ein heterosexueller Friseur als solcher outen muss. Damit ist keinesfalls gemeint, dass jede Form der Lebensform ihre Berechtigung hat. Wann immer Menschen freiwillig füreinander einstehen, sollte die Gemeinschaft diese Übernahme von Verantwortung unterstützen. Insbesonde re wenn Kinder im Spiel sind. Aber diese Verantwortung ist eben eigentlich nicht in Lebensabschnitten zu messen.

10 Prozent der abgegebenen Stimmen sind im deutschen Bundestag nicht vertreten. Das wird von der Regierung und von der veröffentlichten Meinung konsequent ignoriert. Allenfalls der appeasende Christian Lindner, der die FDP mit Sicherheit in´s EU-Parlament und in den nächsten Bundestag hieven wird, darf noch an´s Mikrofon.

Dass die Menschen anders denken als in der öffentlich-rechtlichen Medienwelt kolportiert, zeigen die Zugriffstatistiken im Internet: Die wertkonservativen Medien Bild.de, WELT ONLINE und Focus ONLINE repräsentieren an der Spitze der Statistik rund 30 Millionen Unique User – unterbrochen nur von Spiegel Online auf Platz zwei mit 11 Millionen.

Das Bürgertum hat in Deutschland keine Lobby. Die Bild-APO bleibt bisher zahnlos. Die Ärsche von der Kommune waren knackiger als die der jungen Liberalen. Dass es ein liberal-konservatives Bürgertum gibt, dass von den fünf sozialistisch-sozialdemokratischen Parteien im Bundestag schlicht nicht vertreten wird. Dabei sollte man sich vor dem Begriff “Familie” nicht gleich grauen. Deshalb bleibt die AfD eine politische Notwendigkeit. Die FDP hätte die Chance gehabt, ihr das Wasser abzugraben. Verpasst.