LagerfeldDie Jogging-Hose ist der Bruder der Leggings. Beide treten in Tateinheit gerne aus vermeintlicher Ballonseide gefertigt an Autobahnraststätten auf, wenn die Reisenden sich aufhalten. Sie verlassen die potentielle Privatsphäre zwischen zwei Knautschzonen und stellen die eigenen körperlichen Unzulänglichkeiten von Ballonseide und Synthetik nachgezeichnet öffentlich zur Schau. Für den gemeinen Geschmack ist ihr Anblick meist zuviel, auch weil dem Auge wenig Ausweichmöglichkeit bleibt. Im Restaurant gehören die Wohlhabenderen unter ihnen zur Schnitzel mit Pommes Fraktion. Die anderen freuen sich, dass auch Würger King mittlerweile in den meisten “Raststätten” ein Menü zu den vertrauten Standard-Preisen anbietet. Durch hautenge “Tops”, Vokuhila-Frisuren, Addiletten und Nasenringe wird der stilsichere Auftritt unterstrichen.

Jogging-Hose und Leggings sind die legitimen Erben der Kittelschürze und der bunten Hemdblusenkleider, die mit zunehmenden Alter durch zunehmende Grellheit (heute heißt das Color-Blocking) von der bedingten Unförmigkeit der Figur oder der Faltenbildung im Gesicht abzulenken suchten.

Heute ist der Tag der “Jogging-Hose”. Doch was will uns dessen Erfinder damit sagen. Ein abgehalfterter Klum-Juror erklärt ihre modische Wiederauferstehung. Dass Leggings heutzutage ja meist schwarz sind macht ihren Anblick meist nicht deutlich angenehmer. Früher kamen sie gerne in Pink oder im Leopardenmuster.

Diese von den Medien allerorten breit getretene Geschmacklosigkeit lässt uns Schlimmes ahnen. Was gibt es als nächstes? Den Tag der Sonnenbank, des Arschgeweihs (nein – das ist ausser Mode), der Ballonseide, der Symphonie in Aubergine, der Adiletten oder des Zungenpiercings. Sie – lieber Leser haben keine Wahl. Es sei denn, sie tanken weit abseits der Autobahn und machen während der Fahrt Ihr Smartphone aus. Dann haben Sie ein paar Stunden Ruhe vor´m alltäglichen Wahnsinn.