Walter Eucken war ein feiner Mann. Dass sein “Erbe” Teil meines Pseudonyms wurde, ist eine Anmassung. Ursprünglich hieß nur das erste Blog, das ich betrieb so, weil ich mich mit ordnungspolitischen Fragen beschäftigen wollte und eben der fast vergessene Wirtschaftspolitiker mit seinen 1938 in Jena erschienenen “Grundlagen der Nationalökonomie” den Ordoliberalismus in Stein gemeißelt hatte. In dieser Woche hat der Bundespräsident anlässlich des 60-Jährigen Jubiläums des vier Jahre nach seinem plötzlichen Tod gegründeten Walter-Eucken-Institut fast schon eine Bresche für den “Neoliberalismus” geschlagen. Grund Genug, einmal mehr auf Euckens wissenschaftliches Erbe zu verweisen. 

Die herausragende Hinterlassenschaft ist die Hypothese von der Interdependenz der Ordnungen. Ein Marktwirtschaft bedingt einen freiheitlichen Rechtsstaat. Eine Zentralverwaltungswirtschaft eine Diktatur.

Im freiheitlichen Rechtsstaat schützen negative Regeln den Bürger vor zu mächtigen Organisationen, seien es Unternehmen, Gewerkschaften oder der Staat.  Hier hat er die Verfügungsgewalt über seine  Person und sein Eigentum.

In der Diktatur legt die Zentrale Plankommission per Dekret fest, wer was wie wann produziert und wie das hergestellte dann verteilt werden soll. Da dieser Plan gegen das Interesse der Bürger und Organisationen verstößt, muß der Staat diese dazu zwingen, den Plan zu befolgen.

Eine Zentralverwaltungswirtschaft kann übrigens auch mit Privateigentum betrieben werden: Ein typisches Beispiel dafür ist der Nationalsozialismus. Hier gab es einen Vierjahresplan, von dem allerdings die privaten Eigentümer, Krupp lässt grüßen, profitierten, so dass sie ihm vielleicht sogar freiwillig folgten.

Die Planwirtschaft ist der Marktwirtschaft unterlegen, weil sie nicht das Wissen aller Marktteilnehmer berücksichtigt sondern nur das der Kommission. Wissen wird so vernichtet und reduziert. In der Marktwirtschaft werden Wissen und Wünsche aller Teilnehmer einbezogen und das vorhandene Wissen wird so maximiert.

Das Koordinationsprinzip der Marktwirtschaft ist der Wettbewerb. Auch für das Zustandekommen von Wettbewerb ist nicht die Eigentumsform entscheidend sondern z.B. die Anzahl der Marktteilnehmer und ihre durch ein Regelwerk gegebene Chancengleichheit.

Der Staat als Schiedsrichter sanktioniert die Einhaltung der gesetzten Regeln. Damit kan er aiegentlich nicht als Akteur auftreten, denn das gefährdet seine Neutralität. Trotzdem ist staatliches Eigentum kein per se Zeichen für Zentralverwaltungswirtschaft und Diktatur solange die staatliche Institution im Wettbewerb mit anderen steht.

Walter Eucken war für Regeln aber gegen Regulierung. Während erstere einfache Verbote darstellen, die für alle gelten, meint die Regulierung staatliche Intervention und mindestens das Vorschreiben konkreter Handlungen. Der Ordnungsrahmen des Liberalismus ist dagegen negativ und abstrakt und gilt für jedermann gleichermassen.

Die soziale Marktwirtschaft, als deren konzeptioneller Vater Eucken gelten kann, sieht aber jedoch nicht den umverteilenden Wohlfahrtsstaat vor, den wir heute kennen. Sondern einen Sozialstaat, der nur denjenigen zu Hilfe kommt, die den eigenen Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können. Alles andere ist nicht vorgesehen.

Persönlich lebte Eucken übrigens den Liberalismus. Er blieb Professor unter Heideggers Nazi-Regime in Freiburg aber ließ sich inhaltlich nicht bewegen. Sein Buch, ein liberales Manifest, erschien 1938. Und Eucken blieb selbstverständlich mit einer jüdischen Schriftstellerin verheiratet, die mit ihm in der Schwarzwaldmetropole sicher kein gemütliches Leben hatte.

Auf dem Weg nach London starb der Sohn eines Nobelpreisträgers 1950. Und geriet so fast in Vergessenheit.