Schon mal was von demographischer Falle gehört, Frau Merkel? Davon, dass immer weniger junge Menschen in Zukunft aufgrund des umlagefinanzierten Rentensystems immer mehr alte Menschen finanzieren, Frau Nahles? Dass die auch kaum noch Chancen haben, Reserven anzulegen, weil dank der Niedrigzinsenpolitik Vermögen aller Größe gleichmässig entwertet und zur Staatsfinanzierung genutzt werden, Herr Gabriel? Sie pervertieren das Konzept der Stimmenmaximierung im Rahmen der “Rentenreform” und bürden “dem Beitragszahler” zusätzliche Milliarden auf. Dafür verhalten Sie sich gleich zweifach verfassungswidrig. Sie beschließen einfach mal per Gesetz, dass die Überschüsse, die den so genannten Versicherten gehören, nicht an die ausgezahlt werden. Damit führen sie die “Fiktion” von der staatsfernen Rentenversicherung wenigstens öffentlich ad absurdum. Und in Zukunft sollen die Beitragszahler dann auch noch so genannte “versicherungsfremde Leistungen” etwa an Mütter von vor 1992 geborenen Kundern bezahlen. Das Geld müsste grundgesetzkonform aber aus dem Steuerseckel kommen. 

Die Zwangsbeglückung soll Stimmen bei den nächsten Europa- und Landtagswahlen bringen und folgt der Erkenntnis, das die demographische Falle gleichzeitig Mehrheiten jenseits des Rentenalters schafft. Und nur darum geht es dem Demokraten: Er braucht die Mehrheit der Stimmen. Und die haben die Alten. Die interessieren sich im Zweifel nicht für das was nach 2030 kommt. Langfristig sind wir alle tot. Das BonMot stammt von Keynes.

Die repräsentative Demokratie berücksichtigt nicht das Wohl zukünftiger Wähler. Das führt automatisch in die Insolvenz. Weil die Steuereinnahmen zukünftiger Generationen schon mal verplant werden. Nicht einmal die schon lebenden Wähler, die noch nicht volljährig sind, dürfen mit Berücksichtigung rechnen. Haben Sie noch im Ohr wie Gabriel und Steinbrück noch im Wahlkampf versprochen haben, mehr Geld in “die Bildung” zu stecken? Kam es Ihnen nicht auch damals schon spanisch vor, dass diese abstrakte Ankündigung kaum mit konkreten Vorschlägen unterlegt wurde. Und jetzt. Kein Wort, nirgends. Schüler können ja nicht wählen und Studenten stellen gegenüber den Rentnern eine zu vernachlässigende Wählergruppe dar.

Da ist es schön, wenn Siggy Pop in Zukunft wenigstens einen Nachmittag mit seiner armen Tochter verbringen will. An dem richtet er wenigstens keinen Schaden an.