Die älteren und die zeitgeschichtlich interessierten Leserinnen und Leser erinnern sich sicherlich noch an sie: die guten alten atomwaffenfreien Zonen. Vorzugsweise WG-Küchen und Jugendherbergen wurden von ihren Bewohnerinnen bzw. Herbergseltern zu solchen erklärt. Dank diesen aufrechten Menschen stand der weltweiten Ausbreitung der atomwaffenfreien Zonen bis an den Zaun der Atomwaffenlager theoretisch nichts entgegen. Doch diese Zeiten sind vorbei und es blieb uns glücklicherweise erspart, herauszufinden, wie groß der Respekt des Kremls vor diesen Zonen im Ernstfall gewesen wäre. (Gewiß hätte er nur die JU-WG im Stockwerk oben drüber bombardiert.)

Aber ohne Zone scheint manchen Menschen das Leben irgendwie fad. Und so durfte ich ausgerechnet in der Weihnachtszeit auf der Packung eines Schokoladennikolauses die Nachfolgerin der atomwaffenfreien Zone entdecken: die weihnachtsmannfreie Zone. In dieser Zone gibt es keine als Weihnachtsmann verkleideten Menschen und auch keine Weihnachtsmänner aus Schokolade. Stattdessen gibt es… Nikoläuse! Angeblich sogar das Original, aber ich hoffe sehr, daß das nur eine Übertreibung der Marketingabteilung des Bonifatius-Werks ist.

Das Ziel der weihnachtsmannfreien Zone ist es, die Kunstfigur Weihnachtsmann, die – pfui, wie verwerflich! – den Handel steigern soll, zurückzudrängen und den Nikolaus in den Vordergrund zu rücken. Klingt nicht gerade nach Nächstenliebe, aber bitte. Als liberaler Mensch muß man ja öfter tief durchatmen und sich an die eigenen Grundsätze erinnern. Zum Beispiel an die Toleranz. Also bitte, sollen sie ihre Schokolade doch in Nikolausform gießen. Mit den besten Vorsätzen, nicht auf Grund der Färbung der Metallfolie zu diskriminieren, habe daher in die Mitra gebissen.

Aber was für eine Katastrophe! Ich weiß nicht, was man mit Schokolade anstellen muß, damit sie so furchtbar schmeckt, daß man sie ausspucken muß. Was auch immer es ist (hoffentlich keine natürlichen Aromen vom Original-Nikolaus!), das Bonifatius-Werk hat es jedenfalls geschafft. Hektisch habe ich zum nächstbesten Weihnachtsmann gegriffen, um den schrecklichen Nikolausgeschmack loszuwerden. Und seither überlege ich, wie tolerant man eigentlich gegenüber Menschen sein muß, die gegen Handel, Freiwilligkeit und den guten Geschmack von Lindt, Milka und Co. wettern.