Dass der Wechsel des Ex-Kanzleramtschef in den Vorstand der deutschen Bahn seit Tagen die Schlagzeilen bestimmt, geht nicht auf die Saure-Gurken-Zeit zurück. Weltweit ist genug los, das sieht man wenn man auf die Homepages internationaler Medien schaut. Da ist jemanden ein Coup gelungen, der den Mann nicht auf diesem Vorstandssessel sehen wollte. Und der wird wahrscheinlich erfolgreich sein. Die Diskussion um die Wechselfähigkeit von Politikern “in die Wirtschaft” wird dagegen den Inzest der Apparatschiks verstärken. Wer geht schon in die Politik, wenn er nicht später leicht seine Kontakte nutzen kann, um ordentliches Geld zu verdienen. 

Wir haben hier unlängst darauf hingewiesen, dass lediglich ein Bundesminister (Heiko Mass) in der “freien Wirtschaft” Geld verdient hat. Alle anderen waren Zeit ihres Lebens Staatsdiener. Wobei sich die Frage stellt, wer wem dient. Der Diener dem Staat oder umgekehrt?

Auch Ronald Pofalla würde im Falle eines Wechsels zur Deutschen Bahn AG ja nicht die angestammte Sphäre verlassen. Das Unternehmen ist ein Staatskonzern und seine Hauptaufgabe wäre es ja wohl, in Brüssel und Berlin das Staatsmonopol zu verteidigen.

Würde er dagegen in die Privatwirtschaft wechseln, wäre dagegen wenig zu sagen. Auch die jetzt allerorten diskutierten “Karenzzeiten” könnten nur dann sinnvoll sein, wenn ein Politiker in ein Unternehmen wechselt, über das er vorher zu entscheiden hatte.

In jedem Fall hat die Diskussion eine verheerende Wirkung: Sie schreckt qualifiziertes Personal ab.  Wer nach dem Studium gleich in die Wirtschaft geht, hat es besser.