Gestern stänkerte die SZ wieder gegen „Asoziale“. Im politisch korrekten Journalistendeutsch bezeichnet dieser Begriff nicht etwas Sexualstraftäter oder Massenmörder – letztere sind unbedingt als „Familienväter“ zu titulieren -, sondern bezieht sich auf Menschen, die ihr Eigentum wenigstens in Teilen vor dem Zugriff inkompetenter Apparatschiks in Politik und Verwaltung schützen wollen.

Dass „ein schwarzfahrender Rentner schneller eine hohe Geldstrafe aufgebrummt bekommt als ein Millionenschwindler“ findet die Prantlprawda zu tiefst empörend. Nach der Untertanenlogik der SZ schaden Steuertricks schließlich „allen rechtschaffenen Mitbürgern, die den Beitrag des Tricksers zum Allgemeinwohl mitschultern müssen“. Man könnte sich natürlich auch fragen, ob Steuerhinterziehung genauso wie die weit verbreitete Schwarzarbeit nicht dafür spricht, dass die Steuern und Abgaben in diesem Land einfach zu hoch sind. Aber das wäre zu viel des kritischen Denkens für die Staatsgroupies in deutschen Qualitätsredaktionen.

Heute ist man bei SZ und Co. dennoch verschnupft ob des Wechsels von Merkels Ex-Ausputzer Pofalla zur deutschen Bahn. Es sei unfein, dass ein Politiker „in die Wirtschaft“ gehe, das rieche gar nach „Lobbyismus“. Zu mehr Kritik an der Berliner Machtelite sieht sich die regimetreue Journaille offenbar nicht in der Lage. Dann helfen wir mal ein bisschen nach: Der lupenreine Demokrat Pofalla, der als Kanzleramtsminister im Stil eines Dorfdiscotürstehers gegen Parteifreunde mit abweichenden Meinungen pöbelte, geht nicht „in die Wirtschaft“ – da müsste er am Ende noch für sein Geld arbeiten – sondern zum Staatskonzern Deutsche Bahn. Dieses „Unternehmen“ ist vor allem für seinen schlechten Service, mangelnde Pünktlichkeit und fahrlässigen Umgang mit Kundendaten bekannt. Otto-Normal-Bahnfahrer finanziert diesen Saftladen gezwungenermaßen durch die überhöhten Preise, die man ihm dank dem staatlich garantierten Quasimonopol der Bahn abknöpfen kann. Außerdem erhält die Bahn auf Umwegen auch Gelder aus dem Steuertopf. Die SZ hat also irgendwo Recht: Schwarzfahren wird viel zu hart geahndet. Angesichts solcher Zustände ist das Fahren ohne gültigen Beförderungsschein moralisch ebenso geboten wie der Schutz des Eigentums vor den verbeamteten Steuerräubern.