Jaja, der gute alte Jakob Augstein. Er ist wahrhaft ein großer Kämpfer für die Gerechtigkeit. In seiner letzten Kolumne wusste er aber wohl nicht so recht, was er schreiben soll. Sein brillanter Einfall: Er vergleicht Michael Chodorkovsky mit einem gewissen Jeremy Hammond und wünscht sich ganz doll, dass Genscher, Steinmeier und Merkel bei der amerikanischen Regierung zugunsten dieses Mannes intervenieren. Aber wer ist Jeremy Hammond?

Im Gegensatz zu den tatsächlich etwas zweifelhaften Anschuldigungen gegen Chodorkovsky handelt es sich bei ihm um einen ganz gewöhnlichen Dieb. Bei Augstein klingt das so:

Hammond ist ein Aktivist und Hacker. Er brach in das Computersystem eines privaten Nachrichtendienstes ein, der Behörden und Unternehmen mit Informationen versorgt, und leitete die gestohlenen E-Mails an WikiLeaks weiter. Außerdem kopierte er Zehntausende von Kreditkartendaten und überwies damit mehrere hunderttausend Dollar an gemeinnützige Organisationen.

Natürlich handelt es sich bei StratFor nicht um einen “privaten Nachrichtendienst” – mit dieser Formulierung übernimmt Augstein einfach die Behauptung des Diebes Hammond. Kurz nach dem Angriff auf Stratfor hat Zettel ausführlich über diesen jedem zur Verfügung stehenden Informationsdienst berichtet. Was an dieser Aktion heldenhaft sein soll, erschließt sich allerdings nur dem typischen Klassenkämpfer. Hammond hat nicht nur einem Unternehmen geschadet, er hat auch Kreditkartenbesitzer bestohlen und mit dem Geld anderer Leute seine ganz persönlichen Wohltaten verübt. Natürlich ist das einfacher, als mit dem eigenen Geld etwas Gutes zu tun. Das haben Leute von der Sorte Hammonds aber nicht nötig. Und Augstein findet das gut – er könnte einen kleinen Diebstahl von einem seiner Konten bestimmt gut verkraften, diejenigen, die das nicht können, sind ihm völlig egal.