Der neue Internet-Minister Alexander Dobrindt bringt uns die Datenautobahn. Sagt er. Ein trügerisches Versprechen. Für die, die sich nicht daran erinnern: Früher gab es ein Telekommunikationsmonopol des Staates. Da hatten die Geräte noch Schnüre und Wählscheiben. Wer drahtlose Telefone aus Amerika einführte, die die meisten nur von J.R. Ewing kannten, der seine fiesen Intrigen auf der Southfork-Ranch in der Fernsehserie “Dallas” einfädelte. Das modernste Übertragungsgerät der Schriftform war das Telefax. Als ich in meiner Firma 1991 Datenfernübertragung einführte, ging das von Punkt zu Punkt über ein Modem, das mit 12.200 Kilobyte betrieben wurde. Die Übertragung eines einzelnen Word-Dokumentes dauerte ewig. Zwar modernisierte die Deutsche Post das Netz im Backbone mit Glasfaser. Auf der letzten Meile vom Haus zum ersten Verteilerkasten blieb der alte Kupferdraht in der Erde, den die Rechtsvorgänger von der Deutschen Reichspost um die letzte Jahrhundertwende in der Erde verbuddelt hatten.

Als das Internet Mitte der Neunziger Jahre aufkam, waren 64 Kbyte das Maß aller Dinge. Das Zauberwort hieß ISDN. Damit konnte man immerhin mit einem Anschluß drei Telefonnummern erhalten und zwei Leitungen gleichzeitig benutzen. Zwar wurde der Festnetzmarkt in den Neunzigern formal liberalisiert. Die Wettbewerber mußten aber für eben die marode alte letzte Meile genauso viel an die “Deutsche Telekom” bezahlen wie der Endverbraucher. Damit konnten sie eine vernünftige Expansion und ein preiswerteres Modell nicht finanzieren. Das änderte sich erst mit dem Aufkommen der DSL-Technologie. Jetzt wurde nicht mehr Sprachkommunikation zum entscheidenden Faktor sondern die Datenübertragung für das Internet gewann an Gewicht. Das alte Kupferkabel mutierte zum Flaschenhals.

Wie segensreich dagegen Wettbewerb wirkt und auch die Entwicklung neuer Netze funktioniert zeigt dagegen der Mobilfunk. Mit der Einführung der D-Netz-Technologie gingen gleich zwei Wettbewerber an den Start: Die Telekom und das Industrieunternehmen Mannesmann. Später kam noch E-Plus hinzu. Und Ende der neunziger Viacom mit einem zweiten E-Netz. Die Qualität stieg und die Preise sanken rapide.

Aber auch auf diesem Markt zeigte sich, dass staatliche Intervention von Übel war. Anfang des Jahres verkaufte der Staat für 100 Mrd. DM die UMTS-Lizenzen, mit denen schnelle Datenübertragung über das Mobiltelefon möglich wurde. Das war gut für die Staatskasse und schlecht für den Verbraucher. Denn um die hohen Lizenzkosten zu refinanzieren, war UMTS für den Nutzer einfach zu teuer. Ausserdem gab es noch keine vernünftigen Endgeräte und Killer-Applikationen.

Für den Staat waren die Lizenzeinnahmen ohnehin nur ein Liquiditätsgewinn. Denn die Telekom-Unternehmen nahmen natürlich in den Folgejahren Abschreibungen auf diese Lizenzen vor, die in voller Höhe die zu entrichtenden Unternehmenssteuern minderten. Der Staat hatte also wegen eines popeligen Zinsgewinns eine technologische Entwicklung verlangsamt.

Bei der nun einzuführenden Nachfolgetechnologie “LTE” oder 4G waren die Unternehmen vorsichtiger. Und die Lizenzkosten niedriger. Ihre Einführung geht deshalb reibungs- und fast geräuschlos von statten.

Natürlich stöhnen die Anbieter über das niedrige Preisniveau sowohl beim Mobilfunk als im Festnetz. Und das würde den Netzausbau verhindern, weil sich entsprechende Investitionen nicht amortisieren. Das ist ihre eigene Schuld. Denn sie könnten statt auf Preis- ja auf Qualitätswettbewerb setzen: Total Quality of service statt Best effort.

Dass das funktioniert ja schon beim Mobilfunk. Das beste Netz hat die teilstaatliche Deutsche Telekom, gefolgt von VODAFONE. Beide nehmen deutlich höhere Preise als E-Plus, deren Netz in Teilen der Republik als Totalausfall gelten kann.

Zugegeben es gibt zwei Probleme, die sich auf den ersten Blick nicht marktwirtschaftlich lösen ließen: Die Anbindung schwach besiedelter Gegenden im ländlichen Raum. Und die Ausstattung der “letzten Meile mit Glasfaser”. Doch die Lösung beider Probleme heißt nicht staatliche Intervention sondern Technologie und Markt.

In beiden Fällen sind die Investitionskosten hoch und die Betriebskosten niedrig. Das konventionell-analoge Buddeln und Verlegen von Kabeln wird um so teurer, je länger die zu überbrückende Strecke ist.

Hier wird uns Alexander Dobrindt jetzt mit staatlichen Investitionsprogrammen erfreuen, die beide Probleme lösen. Die Telekom-Betreiber wird´s freuen. Bezahlen die Kunden eben die Infrastruktur über die Steuern und nicht über den Preis. Das macht den Anbieter auch unabhängiger vom Kunden.  Und es wirkt wie ein Konjunkturprogramm bei Baufirmen und Baggerbesitzern.

Dabei setzt sich “Fibre to to the home” “FTTH” einfach deshalb nicht durch, weil es aus Sicht des Nutzers keine Technologie gibt, die den Preis rechtfertigen, den der ganze Tiefbau verschlingt. Mit bis zu 100 mbit/s lässt sich surfen, Videos können konsumiert werden und durch die Weltgeschichte kann man auch noch skypen. Funktioniert nicht immer, kostet dafür aber nichts.

Dabei liegt der Schlüssel nicht in der Verballerung von Baugeldern. Sondern in der Entwicklung neuer Technologien und Anwendungen. Nicht umhin kommen wir darum, neue Komprimierungsverfahren zu entwickeln. Und die Zukunft der Datenübertragung liegt nicht unter der Erde sondern in der Luft. Wenn LTE funktioniert und das tut es nicht immer und überall, ist es die finanzierbare Methode zur Ausstattung des ländlichen Raum. Und die nächste Generation des Datenfunks und die Satelitten-Technologie sind probate Alternativen.

Wenn jetzt der Dobrindtsche Geldregen über die Provinz und die Branche einherfällt, belegt der Staat wieder einmal, dass er von Technologien und Wettbewerb nix versteht. Da hilft auch die hippeste Nerdbrille nix. Kein Duchblick.