Unsere frisch gebackene Arbeitsministerin hat großes vor: „Wir müssen Vollzeit neu definieren“ erkannte Andrea Nahles gleich an ihrem ersten Arbeitstag. Einen „Anwesenheitswahn“ hat die SPD-Linke in der Arbeitswelt ausgemacht und beschlossen, dass damit jetzt Schluss sein müsse. Das gemeine Volk spekuliert derweil im Netz, was Nahles als nächstes fordert. Das Verbot von Kinderarbeit? Die 40-Stunden-Woche? Lohnfortzahlung im Krankheitsfall? Flexible Arbeitszeiten sind in modernen Unternehmen schließlich Gang und Gäbe. Trotzdem gibt es Jobs, bei denen physische Anwesenheit unumgänglich ist. Für die Bäckereifachverkäuferin und den Herzchirurgen ist Home Office nun einmal keine Alternative. Das wird auch Nahles nicht ändern können.

Dass sie es trotzdem versuchen wird ist allerdings nicht ausgeschlossen, denn unsere neue Arbeitsministerin hat von der Arbeitswelt so viel Ahnung wie ein Neandertaler von einem iPod. Frau Nahles gelang bereits während ihres 20-semestrigen Germanistikstudiums der Sprung in die Politbürokratie. Etwas anderes kennt sie nicht.

Nahles ist mit Nichten die einzige Funktionärsautistin in Merkels neuem Kabinett. Wirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel hat gerade einmal ein Jahr als Berufsschullehrer gearbeitet bevor er ins Paralleluniversum des politisch-etatistischen Komplexes abtauchte. Finanzminister Wolfgang Schäuble? Nach dem Staatsexamen in die Steuerverwaltung. Außenminister Frank-Walter Steinmeier? Von der Uni in die Niedersächsische Staatskanzlei. Familienministerin Manuela Schwesig? Begann ihre Karriere beim Finanzamt. Die Ausnahmen muss man mit der Lupe suchen: Justizminister Heiko Maas war immerhin ein Jahr lang Fließbandarbeiter bei Ford, Ursula von der Leyen wirkte in den späten 80ern als Assistenzärztin und Kanzleramtsminister Hermann Gröhe arbeitete nach seinem Studium als Rechtsanwalt.

Der typische Minister ist Parteikarrierist mit Beamtenhintergrund und meidet den Kontakt mit der freien Wirtschaft wie der Teufel das Weihwasser. Wozu sollte man auch den Bereich der Gesellschaft näher kennenlernen, der das ganze Geld verdienen muss, das man so großzügig verplant und verpulvert?

Eine gute Sache hat die GroKo also: Zivilversager wie Nahles und Gabriel sind von der Straße. Die schlechte Nachricht: Hätte man die ganze Truppe mit gewöhnlichen ABM-Stellen versorgt anstatt mit Ministerposten wäre das für den Steuerzahler erheblich günstiger gewesen.