Wie erwartet hat die FDP auf dem Bundesparteitag in Berlin Christian Lindner zum Parteivorsitzender gewählt. Der verlor keine Zeit um deutlich zu machen, warum das eine schlechte Idee war. Die AFD beschimpfte Lindner als „Bauernfänger“, und ließ damit erkennen, was er von den viele ehemaligen FDP-Wählern hält, die wegen der schwarz-gelben Europolitik von der Fahne gingen. Sie werden wohl nicht so schnell zurückkommen.

Den „Eurohassern“ wollte er „keinen Fußbreit“ zugestehen. Jedem war klar, dass damit Frank Schäffler und die knapp 45 Prozent der Basis gemeint waren, die beim Mitgliederentscheid gegen den ESM gestimmt hatten. Es ist fast unnötig zu erwähnen, dass Frank Schäffler keinen Platz im Präsidium bekam. Wer das als glaubwürdigen Neuanfang versteht, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

Die FDP macht also weiter wie bisher. Man will ein bisschen liberaler sein als die anderen Parteien, doch in Zeiten galoppierende Staatsexpansion und schwindender Freiheit ist das eben nicht genug. Man ist im Prinzip für Rechtsstaat und Marktwirtschaft, aber nur so lange sie das System nicht stören. Deswegen werden diese Grundsätze so schnell über Bord geworfen, wenn es konkret wird. Bestes Beispiel ist die Eurorettungspolitik, die aus liberaler Sicht schlicht nicht zu rechtfertigen ist.

Der Satz des Tages kam von Jörg Behlen, einem der beiden weithin unbekannten Konkurrenten um den Job des Parteivorsitzenden. „Nicht das Erzählte reicht, sondern das Erreichte zählt“. Da kann das rhetorische Talent Lindner noch so schön daher reden, ohne ein glaubwürdiges Bekenntnis zu liberalen Inhalten und den Mut, diese auch in die Politik einzubringen wird es nichts werden mit der Auferstehung aus Ruinen.

Es ist eigentlich absurd: In Deutschland gibt es ein Potential an liberal gesinnten Menschen von bis zu 25 Prozent. Selbst wenn nur die Hälfte davon die FDP wählen würden, wäre ein Einzug in den Bundestag 2017 sicher. Aber die Partei setzt unter Lindner wieder einmal Kurs auf „die Mitte“, wo sich bereits die großen Schlachtschiffe CDU und SPD tummeln. Lindners liberale Leichtmatrosen werden so schon bei der Europawahl kläglich kentern.

Jedem Anfang wohnt bekanntlich ein Zauber inne. Doch bei diesem außerordentlichen Parteitag machte sich nur der ranzige Geruch der profillosen Anbiederung an den etatistischen und freiheitsfeindlichen Mainstream breit.

PS: Augenzeugenberichte vom sinkenden Schiff gibt es beim A-Team.