Nelson Mandela ist noch nicht einmal 24 Stunden tot, da melden sich schon die Experten zu Wort, die mit seinem Vermächtnis ihre eigenen kruden Vorstellungen untermauern wollen.

Amerika-Korrespondent Sebastian Fischer stilisiert seinen Held Obama mit der Hilfe von rührigen Pressefotos, die Barry auf Robben Island zeigen, zu Mandelas Nachfolger, obwohl die beiden nur eine einzige Sache gemeinsam haben: Ihre Hautfarbe. Dass diese Verbindung als rassistisch bezeichnet werden könnte, wird den gestandenen Antiamerikaner nicht weiter kümmern, bietet sich in diesem Fall doch die tolle Möglichkeit, die “rechtspopulistische Tea-Party” als rassistische Nachfolger der Buren und Sammlungsbewegung des “Frustrierten des alten, weißen Amerika” hinzustellen, die Obama natürlich nur der Hautfarbe wegen ans Leder wollen.

Ähnlich doof sind die Gedanken, die Roland Nelles bei diesem Anlass durch den Kopf schießen. Ihm fällt natürlich gleich der Nahostkonflikt ein: “Was ist mit Israelis und Palästinensern, wann werden sie sich daran ein Beispiel nehmen?” und dann ganz schlau die EU: “Warum fühlen sich einige in Europa besser als andere, warum wird belehrt oder geneidet? Warum dürfen Rechtspopulisten wieder auf Zulauf bei den nächsten Europawahlen hoffen?”

Beide Kommentare haben eines gemeinsam: Die Herren Fischer und Nelles haben keine Ahnung von der Apartheid. Keines ihrer Beispiele hat auch entfernt etwas mit dem System der Unterdrückung zu tun, dass der Burenstaat vierzig Jahre lang aufrecht erhielt. Was Apartheid täglich  für die nichtweiße Bevölkerung bedeutete, wissen sie auch nicht – ihre Vergleiche zeigen es. Bevor sie also damit anfangen, Nelson Mandela als nützlichen Idioten für ihre eigene Sicht der Welt zu missbrauchen, sollten sie sich etwas mit seinem Leben auseinandersetzen.