Mit dem Wechsel von Bonn nach Berlin wurde der Fuhrpark des Bundestages privatisiert. Ein Unternehmen übernahm die bis dahin von beamteten Chauffeuren angebotenen Dienstleistungen, die Mitglieder des Deutschen Bundestages in von den Herstellern zu hohen Rabatten (35%) bereit gestellten Autos von Hinz zu Kunz durch die Hauptstadt zu chauffieren. Das lohnt sich, schließlich sind die Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse auf diese Weise werbewirksam in der Tagesschau zu sehen. Da kann der Vorstand schmerzfrei darüber hinweg sehen, dass unliebsame MdBs vor der Präsidiumssitzung der Linkspartei gerade aus dem Auto dieser Premium-Marke steigen. Die Grünen lassen den Fahrer garantiert um die Ecke halten, um die letzten Meter gerne zu Fuß zurück zu legen. So gesehen ein schlechtes Geschäft. Nun lassen sich die Mittelklasse-Limousinen nicht mehr so leicht gebraucht verkaufen wie gehabt. Und damit ist der “Business-Case” des Fahrdienstes dahin. Aus den Gewinnen der Verkäufe der ein bis zwei Jahre alten Autos konnte man die Dienstfahrten subventionieren. Weil die Preise für die Gebrauchten sanken, war die Insolvenz unausweislich.

Von der deutschen Qualitätspresse wird das Ganze als Drama auf den Eingangsseiten an Stelle eins oder zwei gehandelt. Nach dem Motto: Die MdBs müssen zu Fuß gehen. Davon kann ja nicht die Rede sein. Sie dürfen sich wie jeder gewöhnliche Mensch ein Taxi bestellen, um sich anschließend aufgrund der Quittung seinen Aufwandvon der Bundestagsverwaltung erstatten zu lassen. Ihre Aufwandsentschädigung wird mitnichten geschmälert

Die Arbeitsfähigkeit des Parlaments dürfte allerdings kaum Und die Berichterstattung ist unterirdisch schlecht.

Daneben wird übrigens kolportiert, dass unsere Hinterbänkler gerne von Fahrern durch die Hauptstadt kutschieren lassen, die geringfügig mehr verdienen wie die Mitarbeiter Bärbel Höhn, die vermeintliche Praktikanten gerne mal mit einem Stundenlohn von vier Euro abspeist. Von Mindestlohn ist da wohl keine Spur.  Die witterte dann auch gleich Morgenluft und schlug vor, man solle doch lieber kleinere Autos kaufen oder Fahrräder anschaffen. Das ist besonders in der bevorstehenden Jahreszeit eine gute Idee. Nur Ströbele radelt eifrig bei Rot über den Potsdamer Platz. Aber der fällt aus dem eigenen Blickwinkel ja bereits unter Artenschutz.

Die Linkspartei sorgt sich plötzlich um die Chauffeure. Bisher hat man kein Wehklagen über die Arbeitsbedingungen gehört,

Peinlich, was sich die Deutsche Journaille dabei wieder leistet. Gezeigt werden dicke Panzer mit Blaulicht vor dem Bundestag. Bei denen handelt es sich aber nicht etwa um die Limousinen der Pleitegeier. Wenn Sigmar Gabriel sich aus dem Heck seines stets nur 120 km/h fahrenden Audi A8 windet, gehört der der SPD. Und die gepanzerten Autos vor den Bundestag sind zur Hälfte die Dienstwagen der Prominenz mit Sicherheitsstufe eins und zur anderen Hälfte die gepanzerten Dienstwagen der Personenschützer.

Ich bin nicht pingelig. Aber diese Ungenauigkeiten verzerren in ihrer Summe die Wahrnehmung des gemeinen Bürgers. Und das ist schlecht.