„So funktioniert Kapitalismus“. Das ist das Motto des Wirtschaftsblogs „Herdentrieb“ in der ZEIT. Dort teilt man uns heute zwar nichts über den „Kapitalismus“ mit – wer kein Lenin-Bild über dem Bett hat der bevorzugt übrigens den Begriff Marktwirtschaft –, aber dafür stellt Blogger Mark Schieritz klar, um wen es in der EZB-Planwirtschaft nicht geht: Den Menschen und seine Bedürfnisse.  

Der Kapitalismus-Experte von der ZEIT knöpft sich den deutschen Sparer vor, der ihm angesichts der erneuten Zinssenkung der EZB eindeutig zu viel jammert. Und das bei 20% Rendite auf Aktien! Nun ist ein Aktionär eher ein Investor als ein Sparer, aber das weiß Mark Schieritz bestimmt, immerhin hat er an der London School of Economics studiert. Dummerweise gibt es in Deutschland verhältnismäßig wenige Kleinaktionäre, da Otto Normal die antikapitalistische Rhetorik von Staatsfunk und linksstehenden Qualitätsmedien für bare Münze nimmt und sich von der Börse fernhält. Deutsches Geld liegt auf Spar- und Tagesgeldkonten, das sollte ein Wirtschaftsblogger eigentlich wissen. Der aktuelle Aktienboom nützt dem braven deutschen Sparer also rein gar nichts. Hinzukommt, dass besagter Boom von der unverantwortlichen Politik des billigen Geldes getrieben wird, die Herr Schieritz so glühend verteidigt. Wer jetzt noch einsteigt, der kauft Draghi sei Dank eine Blase. Wer hingegen vor fünf Jahren nicht auf die Unkenrufe der Kapitalismuskritiker gehört hat und im Lehmann-Tief auf Shoppingtour ging, der ist fein raus. Es sind nicht die Besserverdiener mit Vermögensberater, die bei den Minizinsen draufzahlen, es sind die vorsichtigen Lebensversicherungskunden und Riesterrentner. Also genau die „Menschen da draußen“, von denen Politik und Medien so oft sprechen und deren Schutz den Planwirtschaftlern sonst so gerne als Argument für ihre Reguliererei dient.

Überhaupt hat Herr Schieritz seltsame Vorstellungen von politischen und ökonomischen Zusammenhängen. So lässt er uns wissen, von deutschen Sparguthaben stünde nichts im Grundgesetz, von einer Inflationsrate um die zwei Prozent aber irgendwie schon. Deswegen müsse Jens Weidmann in seiner Eigenschaft als Bundesbankpräsident Draghis erneute Zinssenkung mittragen – steht ja so im Grundgesetz! Wer außerdem glaubt, Ordoliberale würden per definitionem „auf die Einhaltung aller möglichen Regeln“ drängen, der sollte das erste Semester VWL vielleicht noch einmal wiederholen.

 Was die erneute Zinssenkung angeht, so stellt der Qualitätsökonom von der ZEIT fest: „Was das für den deutschen Sparer oder das deutsche Gaststättengewerbe oder den Hund des Notenbankpräsidenten bedeutet ist VOLLKOMMEN irrelevant.“ Das sehen Liberale eben anders, denn wir denken vom Menschen her. Die aktuelle Zinspolitik der EZB produziert Altersarmut und enteignet Bürgerinnen und Bürger, die für die Zukunft vorsorgen wollen. Das ist nicht irrelevant, das ist ein Skandal.