Vor einigen Jahren wurde ich von der Grünen Jugend als Referentin eingeladen. Das genau Thema weiß ich nicht mehr, aber es ging meinen Forschungsinteressen entsprechend um Entwicklungspolitik. Als ich den Organisator fragte, ob es ein Problem sei, dass meine Präsentation nicht mit PowerPoint erstellt worden war, winkte er lachend ab.

Die Grüne Jugend, so wurde mir erläutert, verwende aus Prinzip keine Microsoft-Produkte. Schließlich sei gerade die Firma von Bill Gates ein besonders übles Beispiel für rücksichtslose Profitgier. Aus grundsätzlichen Erwägungen heraus wäre man so oder so gegen „Konzerne“. Bionade immerhin durfte den jungen Schmalspursozialisten seine geschmacksfreien Erzeugnisse kostenlos zur Verfügung stellen, wie ich später an der Getränkeausgabe feststellen konnte. Dabei hatte die hippe Ökoplörre bei gutmenschlichen Korrekttrinkern damals ein ähnliches Monopol wie Microsoft bei Betriebssystemen.

Gestern ist mir diese Episode wieder eingefallen, als ich in der FAZ ein Interview mit Bill Gates las. Der Mann hat sich schon lange aus dem Softwaregeschäft zurückgezogen und rettet seitdem hauptberuflich Menschenleben. Seine Bill-and-Melinda-Gates-Foundation steckt jedes Jahr 3,4 Milliarden Dollar in die Bekämpfung von Krankheiten in den ärmsten Ländern der Welt. Dabei ist der geniale Geschäftsmann Gates oft erfolgreicher als die schnarchigen staatlichen „Entwicklungshilfe“-Organisationen, die mit Millionen von Steuergeldern nicht selten kleptokratische Eliten am Leben erhalten.

Was die Junggrünen, die mich damals eingeladen haben, wohl heute so machen? Ich vermute sie gehen mit der Zeit und agitieren jetzt gegen die kapitalistische Datenkrake Facebook. Mark Zuckerberg ist übrigens der zweitgrößte Spender unter den US-Milliardären, den ersten Platz belegt der Börsenguru Warren Buffet. Just sayin’.