Beim Businnes-Lab des dritten deutschen Israelkongresses ging es um Start-Ups in Berlin und Tel Aviv. Es war viel von Synergien und Chancen die Rede, auch weil beide Städte trotz eindrucksvoller Gründerszenen noch Luft nach oben haben. Besonders aufschlussreich waren die Präsentationen, die sich der unterschiedlichen Geschäftskultur widmeten. Die mehrheitlich israelischen Vortragenden bewunderten den deutschen Perfektionismus, merkten aber auch an, dass Risikoaversion und übertriebenes Sicherheitsdenken aus ihrer Sicht echte Bremsen für das deutsche Start-Up-Wunder sind.

Die israelische Herangehensweise ist der deutschen diametral entgegengesetzt und lässt sich auf eine gesunde Mischung aus Herzl und Toyota verkürzen. In einem Land, dessen Gründung auf den Satz „Wenn ihr es wollt, ist es keine Märchen“ zurückgeht, leben viele Unternehmer nach dem Prinzip „Nichts ist unmöglich“. Dass die meisten Start-Ups scheitern wissen auch israelische Gründer. Doch das muss kein Makel im Lebenslauf sein, so lange man mit Leidenschaft und aus Überzeugung für seine Idee gekämpft hat. No risk, no fun und wer hinfällt, der steht eben schnell wieder auf, klopft sich den Staub ab und macht weiter.

In Deutschland herrscht eine andere Mentalität, nicht nur bei Gründern, sondern auch bei potentiellen Finanziers. Vorsicht mag die Mutter der Porzellankiste sein, aber sie ist manchmal auch der Tod der Innovation. Warum ist man ausgerechnete im Land der Ingenieure und der Exportweltmeister so ängstlich, wenn es um Zukunftstechnologien und ihre Vermarktung geht? Ein israelischer Venture-Capital-Manger scherzte, dass die permanente Bedrohungslage seine Landsleute wagemutig gemacht hätte. Man müsse nur den Iran davon überzeugen, seine Vernichtungstiraden zukünftig gegen Deutschland zu richten, und schon würde es hier von innovativen Start-Ups und mutigen Risikokapitalanlegern wimmeln.

Vermutlich hat der Mann irgendwie Recht. Als in Westdeutschland schon lange das Wirtschaftswunder brummte, galt vielen Israelis noch das sozialistische Kibbutzleben als Ideal. Die Hinwendung zur Marktwirtschaft in den 1980er Jahren erfolgte mehr aus Pragmatismus denn aus Überzeugung. Trotzdem sind die Israelis mental besser für den Erfolg im kompetitiven und risikoreichen Umfeld der Start-Up-Branche gerüstet. Wer in Israel groß geworden ist, der weiß, dass es keine absolute Sicherheit gibt. Nur wer etwas wagt gewinnt, das zeigt auch die turbulente Geschichte der einzigen Demokratie in Nahen Osten. Wer Kriege und Terroranschläge er- und überlebt hat, der fürchtet sich nicht mehr so sehr vor einer Fehlinvestition.

Ganz anders die Prägung der deutschen Wohlfahrtsstaatinsassen. Wir bekommen es schon mit der Angst zu tun, wenn am anderen Ende der Welt ein Atomkraftwerk havariert. Geht ein Unternehmen pleite, dann dauert es nicht lange und irgendein Gewerkschaftsfunktionär fordert die “Rettung” der betroffenen Mitarbeiter mit Steuergeldern. Den Job zu verlieren ist wirklich nicht schön, aber das sind Scheidungen auch nicht. Trotzdem kommt so was vor, das ist das Leben. Es heißt nicht umsonst, dass man einen Plan machen soll, wenn man Gott zum lachen bringen will. In Deutschland scheint Planungssicherheit oft der höchste Wert überhaupt zu sein. Hauptsache man hat ein trockenes Plätzchen im Schatten von Papa Staat, dafür nimmt man auch gerne weniger Freiheit in Kauf. Eine solche Mentalität verhindert den Mut zum Risiko, der in der High-Tech-Branche nun mal nötig ist, um ganz vorne mitzuspielen. German Angst essen Start-Up auf. Wir brauchen keine Kriege, weniger Nanny state würde voll und ganz reichen.