Wer sich als Mann als Prostitutionsexperte öffentlich geriert, gefährdet sein Sozialprestige. Beim Small-Talk kann man mit seinen Kenntnissen über das Rotlicht-Genre schlecht reussieren.  Das nützt die Berufsemanze Alice Schwarzer eiskalt aus, wenn sie jetzt den bemerkenswerten Versuch unternimmt, von Staats wegen ausgerechnet das älteste Gewerbe der Welt verbieten zu lassen. Und sie nutzt die Mediengeilheit von 100 sogenannten Prominenten aus, die sich in der Öffentlichkeit allzu schnell prostituieren. 

Gerne schwingt man die Moralkeule: “Deutschland als Marktplatz von Menschenhandel  und Zwangsprostitution”. Doch hat das angegriffene Prostitutionsgesetz die Sklaverei erlaubt? Wohl kaum. Andernorts urteilt ein Gericht, dass ein Bordell nicht den verminderten Mövenpick-Umsatzsteuersatz (Westerwelle ist wenigstens daran nicht schuld) in Anspruch nehmen kann, weil ja die Absicht zur Übernachtung fehlt. Landauf, landab erfinden die Kommunen “Sex-Steuern”, um vom vermeintlichen Boom des einschlägigen Gewerbes zu profitieren. Während laut Schwarzer und Konsorten sich die Polizei nicht blicken lässt, um ganz klare Straftatbestände zu bekämpfen – Zwangsprostitution und Menschenhandel – müssen die davon betroffenen Frauen in Bonn an einem umfunktionierten Park-Automaten Tickets ziehen, mit denen sie ihren Obulus an den Fiskus entrichten. Selbstverständlich kontrollieren die zuständigen Mitarbeiter des Ordnungsamtes das Vorhandensein des Kassenzettels und nicht die Aufenthaltsgenehmigung oder fragen danach, ob die entsprechenden Frauen dort freiwillig stehen.  Wer es dagegen wagt, ohne grüne Plakette in eine so genannte “Umweltzone” einzufahren oder gar ohne gültige TÜV-Plakette unterwegs ist, kann sich dem eisernen Arm der Ordnungsmacht nicht entziehen. Dieser Staat will nur unser Bestes: Unser Geld.

Bevor mich jemand in die falsche Ecke rückt. Diese Beispiele habe ich natürlich bestenfalls amüsiert der Blöd-Zeitung oder vergleichbaren Medien (Spiegel Online) entnommen, die sich stets an den ausufernden Click-Zahlen solcher Berichte moralingesäuert ergötzen. Ich selbst bin natürlich wie jedermann vor allen Versuchungen immun und hoffe auf möglichst wenig Zuspruch auf diesen Post😉.

Und natürlich ist es entsetzlich, wenn junge Frauen aus ihrer Heimat mit vermeintlichen Kellnerinnen-Jobs gelockt werden und dann hier allerübelst auf den Strich gezwungen werden. Aber was hat das Prostitiutionsgesetz dafür getan, diese widerwärtige Praxis zu erleichtern?

Ist es nicht andersherum: Vorher müssen Frauen,  die diesem Gewerbe nachgingen, rechtlos gewesen sein, weil sie mit ihren “Kunden” keinen rechtswirksamen Vertrag abschließen konnten. Weil ihre Leistung per se sittenwidrig war, konnten sie ihr Honorar nicht einklagen. Krankenkassen und Sozialversicherung konnten sie ebenfalls aus Gründen der Sittenwidrigkeit nicht aufnehmen. Nun sollten sie  den Rechtsstaat und die Sozialversicherung um den Preis der Sozialversicherung und des Finanzamtes erkaufen. Das Angebot war so verlockend, dass immerhin 44 Prostituierte sich bundesweit bei der Sozialversicherng haben registrieren lassen. Das sagt mehr über die Attraktivität des Sozialstaates aus, als wir uns lieb sein kann. Als Freiberufler steht den “Sexarbeiterinnen” bei ausreichendem Einkommen schließlich die private Krankenkasse  offen. Und die einzige, die sie arbeitslos machen wollte, heißt schließlch Alice Schwarzer. Übrigens waren unter den 44 nur vier Männer. Das stellt die Frage nach einer Quotenregelung.

Nun hat sich das investigative Ressort der WELT daran gemacht, die Dichte der Prostituierten je 1000 Einwohner zu erschließen. Und muss feststellen, dass hierfür überhaupt keine validen Daten vorliegen, lediglich Schätzungen der Polizei über die Anzahl der “Gewerbetreibenden” und des statistischen Bundesamtes über den Umsatz von 15 Mrd. Euro. Kaum belastbaren Fakten, um von einer Explosion der Prostitution oder der weitgehenden Verbreitung von Sex-Tourismus in Deutschland oder einer Drehscheibe des Menschenhandels zu sprechen. Im allgemeinen Straßenbild fallen mir allenfalls die rumänischen oder bulgarischen jungen Frauen auf, die sich vor Aldi oder Lidl die Füße platt stehen. Die bieten aber nicht sich selbst an sondern die jeweilige Obdachlosenzeitung.  Ansonsten verfüge ich allerdings leider nihct über persönliche Erkenntnisse mangels einschlägiger Feldversuche .

Jede Frau, der hier Leid angetan wird, ist eine zuviel. Aber schützt man diese Frauen wirklich über ein Verbot der Prostitution? Sollte man nicht ihre Rechte stärken? Das Grundgesetz garantiert die Vertragsfreiheit. Also auch das Recht auf Prostitution, so lange beide Seiten diesen Vertrag freiwillig eingehen. Allerdings steht zu befürchten, dass bei fehlendem Verbot bald die EU das Thema für sich entdeckt und eine entsprechende Richtlinie erlässt, die die Feinheiten dieses Gewerbees regelt und die ich dem holden Leser aus Gründen des guten Geschmacks erspare.

Menschenhandel und Zwangsprostitution sind ohnehin verboten. Wäre es nicht besser, das Geld, das man für den Betrieb der NPD durch so genannte V-Leute, ausgibt, dafür zu nützen, sich Informanten und Informantinnen aus der Rotlichtszene zu kaufen und mit der Akribie, mit der man auf öffentlichen Straßenland vermeintliche Falschparker und Schnellfahrer verfolgt, das einschlägige Gewerbe zu untersuchen, um überhaupt in die Lage zu kommen, zu erkennen, welche Straftatbestände vorliegen und mit welchen Volumen sie aufgetreten sind. Daraus ableiten ließen sich sicherlich Verbesserungen des Gesetzes, wie etwa Melde- und Genehmigungspflicht einschlägiger Einrichtungen.  Das ist aber für Alice Schwarzer und ihre Klientel zu trocken für die Steigerung der EMMA-Auflage durch Publicity.

Der Skandal liegt genau genommen darin, dass sich hier 100 so genannte Prominente nicht etwa vor Schwarzers Karren spannen lassen. Sondern dass sie bereitwillig zur Steigerung der eigenen Bekanntheit ins Rampenlicht springen und sich in Wahrheit um das Schicksal der betroffenen Frauen genauso wenig scheren, wie die Männer, die deren Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Schön wäre es, wenn man, wie unlängst Justin Bieber in Brasilien, einen der männlichen Testimonials beim Verlassen eines entsprechenden “Clubs” erwischt.  Dann wird er wenigstens nicht mehr von Hannes Jaenicke gefragt, ob er öffentlich für den Schutz der bedrohten Eisbären eintreten will.