Es würde mich nicht wundern, wenn die Grosse Koalition im Windschatten von Muttigate die Vorratsdatenspeicherung beschließen würde. Auf internationaler Ebene verbrämt man ja die Wiedereinführung der Kapitalverkehrskontrollen mit dem Begriff “automatischer Informationsaustausch” und fordert damit letztlich nur die Kreativität der Unternehmensberater und Anwälte ein wenig mehr, die komplexere Konstruktionen entwickeln müssen, um Vermögen vor dem willkürlichen Zugriff des Fiskus zu schützen. Nicht Google, Facebook und Co. sind die größten Datenräuber. Es ist der Staat als solches, der spät aber leider immerhin begriffen hat, wie sehr er seine Bürger mit Hilfe des Netzes drangsalieren und kontrollieren kann. 

Deshalb ist Datenschutz eine Aufgabe privater Unternehmen. Denn derjenige, vor dem die Daten geschützt werden müssen, ist der Staat.  Das Netz, das wir für einen Freiheitsgewinn gehalten haben, nutzt er, um uns  einzufangen, wenn wir etwas Unliebsames denken oder tun.

Noch gefährlicher als die Datensammlungen der NSA sind aber sicher die Chancen, die die Datenschnüffelei den Potentaten aus Russland, China oder dem Iran eröffnen. Sie können nicht nur im eigenen Land die Publikation Andersdenkender unterbinden und verfolgen, sondern den Dissidenten weltweit auf die Schliche kommen und dem Cyberwar so eine hässliche analoge Komponente hinzufügen, in dem sie die Unliebsamen ganz real mit Waffengewalt oder Drohnen liquidieren.  Mittlerweile können sie auch mit passenden Strategien virtuell durch das “Hacken” der Kommunikationsstrukturen ganze Volkswirtschaften lahmlegen.  Dass niemand darüber nachdenkt, dass die Russen und Chinesen die Industriespionage sicherlich effektiver und skrupelloser betreiben  ist genauso absurd wie die Tatsache, dass ausgerechnet Putin seine schützende Hand über Snowden hält. Ein besseres Ablenkungsmanöver mit Know-how-Transfer hätte der sich kaum ausdenken können.

Ob der Staat elektronisch schafft, was ihm mit der Schreibmaschine mißlang, werden wir erst später erleben. Die Stasi konnte den DDR-Untergang schließlich nicht verhindern, weil sie nicht genug wußte, sondern weil sie das Wissen, das sie hatte, nicht schnell genug verarbeiten konnte. Das stimmt uns noch hoffnungsvoll. Es könnte sein, dass trotz allerlei Superrechner das Rennen zwischen dem freien Bürger und dem Staat doch so ausgeht, wie das zwischen Hase und Igel .

Denn wenn wir F.A. v. Hayek folgen, ist Wettbewerb das beste Verfahren zur Entdeckung neuen Wissens.  Und Snowden und die Whistleblower sind gerade unbeabsichtigt dabei, eben diesen Wettbewerb anzufachen. Undzwar mit heißer Luft. Denn längst ist nicht bewiesen, dass alle Behauptungen, die häppchenweise in die Welt posaunt werden, stimmen. Aber es hält das Feuer am Köcheln.

In den USA wurde bereits von Amts wegen eine Firma geschlossen, deren Verschlüsselungstechnologie vom Staat nicht geknackt wurde und die nicht bereit war, die Codes entsprechend bereit zu stellen.  Irgendwann wird eine solche Firma ihren Sitz in Timbuktu haben und sich derselben Technik bedienen.

Wer sich dem Staat nicht schutzlos ausliefern will, muss so lange überlegen, wie er seine Daten schützt und was er bei Facebook und LinkedIn über sich verrät, welche Informationen er unverschlüsselt per email versendet, ob und wie er Online-Banking nutzt und wie und wo er sein Geld vor willkürlichen EU-Schuldensteuern schützt, die schon vom IWF gefordert werden, nicht nur von den Grünen. Dabei geht es um einen Optimierungsprozess. Machen wir es den staatlichen Datenjägern nicht zu einfach. Täuschen wir sie und lenken sie in die falsche Richtung.

Damit dieser Post auch noch bei der NSA gelesen wird, füge ich jetzt hier schnell noch die Worte Bombe, Selbstmordattentat, Dschihad und Al Quaida ein. Und das bewusst am Ende. Dann müssen sie sich wenigstens durch den ganzen Text quälen.