Gestern war Welternährungstag und die SZ zelebrierte dieses Datum wie es sich gehört mit Traurigkeit und Betroffenheit. Auch wenn bei regelmäßigen Leser_innen des Neuen Süddeutschland kaum Zweifel hinsichtlich der drohenden Ökoapokalypse bestehen dürften kann es nicht schaden, immer wieder auf all die Katastrophen hinzuweisen, die unsere ungezügelte Konsumgesellschaft zu verantworten hat. So müssen wir erfahren, dass der Otto-Normal-Deutsche 130 Liter Wasser pro Tag verbraucht, von denen er aber laut SZ „nur“ 4 Prozent trinkt oder verkocht. Der Rest geht für so unwichtige Dinge wie Körperpflege und Toilettengänge drauf.

Wer schon einmal in Ländern gelebt hat, in denen die hygienischen Zustände regelmäßigen Cholera-Epidemien nicht im Wege stehen, der weiß im Gegensatz zu ökologisch korrekten SZ-Redakteuren, warum das nichts mit Luxus zu tun hat. Einem durstigen Bewohner der Sahel-Zone wird es auch nicht helfen, wenn ich im fernen Berlin aus Solidarität die Klospülung nur noch einmal wöchentlich betätige, auch wenn der Artikel penetrant einen Zusammenhang zwischen geduschten Deutschen und vertrockneten Oasen insinuiert.

Überhaupt, das Wasser! Bei der „Herstellung eines Mikrochips werden beispielsweise 32 Liter verbraucht, für die Produktion einer Jeans schwanken die Angaben zwischen 6000 und 11.000 Litern“ barmt die SZ entsetzt. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Nicht alle Regionen dieser Erde sind von der Geißel des Konsums erfasst worden, hungern aktuell doch 842 Millionen Menschen.

Vorbildlich, diese Kultur des Weniger! Man stelle sich nur einmal vor, die Subsistenzbauern Afrikas wären stattdessen Näher in Jeansfabriken oder Ingenieure in der Mikrochipherstellung. Gar nicht auszudenken, was das für den Wasserverbrauch bedeuten würde! Wer verhungert, der kauft auch keinen Käse (100 Liter Wasser für eine Scheibe!) oder Rindfleisch. Letzteres schlägt übrigens mit 15.000 Liter Wasser pro Kilo zu Buche, inklusive des “natürlichen Niederschlags” auf die Gräser, die von den zukünftigen Steaks verspeist werden.

Womit wir bei nichts geringerem als dem Untergang der Menschheit wären. Die alten Germanen glaubten, dass die Welt dereinst in einem Kampf zwischen Riesen und Göttern zu Grunde gehen werde. Christen erwarten das jüngste Gericht einschließlich der sieben Endzeitplagen und der vier apokalyptische Reiter. Atomkraftgegner tippen auf einen Supergau mit anschließendem atomaren Winter. Jetzt müssen wir aus der SZ erfahren, dass weitaus banalere Dinge die Existenz unserer Zivilisation gefährden:

Genauso klimaschädlich wie eine 1600 Kilometer lange Autofahrt ist die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch. Die Herstellung erzeugt Emissionen in der Größenordnung von 36,4 Kilo CO2. Kühe rülpsen alle vierzig Sekunden und stoßen dabei jeweils bis zu 230 Liter Methan am Tag aus. Das entspricht den CO2-Emissionen eines Mittelklassewagens mit 18.000 Kilometern Jahresleistung.

Sekündlich rülpsen uns die vierbeinigen Killermaschinen auf den Weidegründen dieser Welt näher an Erderwärmung, schmelzende Polkappen und steigende Meeresspiegel!

Soll man also täglich Steak essen, um die Menschheit so vor dem sicheren Ende zu bewahren? Die “Tierrechtsorganisation” PETA hat einen besseren Vorschlag: Die Zahl der Fleischesser so lange “senken”, bis nur noch Veganer auf der Erde leben.  Das Kuhrülpsproblem würde sich dann übrigens von alleine lösen, auch wenn PETA und das Neue Süddeutschland dieses Detail nicht erwähnen. Ein homo veganus hat keinen Bedarf mehr an  Rindern, Hühnern, Schweinen und anderem Nutzvieh. Diese Tierarten würden somit aussterben. Wie das aus tierrechtlicher Sicht zu bewerten ist sei dahingestellt, aber mit Blick auf den globalen Wasserverbrauch wäre diese Entwicklung bestimmt zu begrüßen.