Waffen werden diskriminiert. Je effektiver sie ihrem Zweck, dem Töten, dienen, desto schlechter sind sie angesehen. Gutmenschen ergehen sich dabei besonders darin, bestimmte Waffenarten zu ächten. Atomwaffen sind ganz schlecht, chemische auch. Und selbst der Ökomarkt-Kunde möchte Bio-Waffen ächten, selbst wenn sie biologisch abbaubar sind. Da ist es folgerichtig, wenn der Friedensnobelpreis an eine Organisation geht, die sich für konventionelle Kriegsführung einsetzt, in dem sie versucht, chemische Waffen zu vernichten.

Dem Opfer ist es letztlich egal, ob es durch eine Kugel, eine Atombombe oder Giftgas stirbt. Tot ist tot. Im Sinne einer humanen Kriegsführung erscheint nur wichtig, dass der Tod schnell eintritt.

Im Sinne eines effizienten Krieges stellt sich die Frage nach der wirkungsvollsten Waffe. Dass ist natürlich die Waffe, die mit hoher Sicherheit möglichst viele Menschen tötet. Im Falle der asymetrischen Kriegsführung und in Bürgerkriegen ist die Unterscheidung zwischen Zivilisten und Kombattanten nicht zielführend, weil insbesondere Bürgerkriegsparteien von Bürgern nur schwer zu unterscheiden sind.

Dabei sind Waffen nicht böse. Darauf hat schon André Glucksmann 1983 hingewiesen. Gut oder Böse ist nur der Zweck, dem sie dienen. Dass Obama die Rote Linie mit dem “Giftwaffeneinsatz” überschritten sehen wollte, ist also mindestens ein moralischer Irrtum. Nicht die Art der Waffe ist von Übel, sondern der Zweck, den der Tyrann Assad mit dem Waffeneinsatz verfolgt: Das eigene Volk um den Preis seiner Existenz zu unterwerfen. In der Konsequenz bedeutet das für den Diktator: Solange er sein eigenes Land einfach mit konventionellen Bomben in Schutt und Asche legt, ist alles in Ordnung.

Im Idealfall dient die Waffe übrigens einem guten Zweck: Dem Frieden. Durch Abschreckung. Es hätte schon längst mal wieder einen neuen Angriff auf Israel gegeben, wenn Saudis, Iraner und Kataris nicht von der Existenz der israelischen Atombombe wüßten, die hoffentlich vor einem möglichen atomaren iranischen Erstschlag auf einem aus Deutscchland gelieferten U-Boot in Sicherheit gebracht ist. Das würde mich ein wenig beruhigen.