Da ich oft genug aus nächster Nähe miterleben muss, was unsere „Flüchtlingspolitik“ für die von ihr betroffenen Menschen bedeutet, fällt es mir schwer, bei diesem Thema die Contenance zu bewahren. Nur so viel: Tatsächlich unterscheiden sich linke und rechte Politiker nicht sonderlich in ihren Ansichten zur Migrationspolitik. Das ist wenig überraschend, da beide Seiten in kollektivistischen und etatistischen Kategorien denken.

Ihnen erscheinen die mal paternalistisch, mal abwertend als „Wirtschafts“- oder „Armutsflüchtlinge“ bezeichneten Migranten in erster Linie als hilfsbedürftige Opfer. Während rechte Politiker vorrechnen, dass die Versorgung dieser Bedürftigen nun einmal zu teuer ist behaupten Linke, dass den armen Elendsgestalten sicher auch noch geholfen werden könnte, im Zweifel enteignet man eben ein paar Superreiche.

Dabei ist schon diese Charakterisierung grundfalsch. Ziel der meisten Einwanderer ist keineswegs eine Existenz als eingesperrter Asylbewerber oder gegängelter Hartz-IV-Empfänger. Die „Wirtschaftsflüchtlinge“ unter ihnen werden von dem Wunsch getrieben, sich ein besseres Leben zu erarbeiten und ihre Familien in der Heimat zu unterstützen. Tatsächlich übertreffen die „Remittances“, die Auswanderer in ihre Herkunftsländer überweisen, die Entwicklungshilfe des weißen Mannes, von der die bessermenschlichen Betroffenheitshelden jetzt wieder so gerne schwafeln, um ein Vielfaches. Noch schlimmer steht es um die „echten“ Flüchtlinge, die Krieg und Verfolgung entkommen sind. Man weiß unter anderem aus Untersuchungen mit Holocaustüberlebenden in Israel, dass es für Menschen, die die Hölle überlebt haben nur den Weg nach vorne gibt: Wer sein altes Leben verloren hat, der will sich ein neues aufbauen. Das schlimmste, was man Asylbewerbern antun kann, ist sie jahrelang unter Arbeitsverbot zu stellen und sie so zur Passivität zu verdammen. Nicht selten zerbrechen Menschen, die es unter vielen Mühen ins sichere Deutschland geschafft haben, an unseren Asylgesetzen. Linken „Flüchtlingsfreunden“, die Arbeit grundsätzlich für Ausbeutung halten, sind diese Zusammenhänge leider nur schwer zu vermitteln. Die Forderung nach höheren Leistungen für Asylbewerber klingt schön, verkennt aber völlig, dass diese Menschen in die Lage versetzt werden müssen, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Das geht am besten, wenn man sein Auskommen durch eigener Hände Arbeit sichern kann. Flüchtlinge brauchen kein geschenktes Geld, sie brauchen die Chance auf einen Neuanfang!

Dabei ist es – wie so oft – der Kapitalismus, der die Lösung bereithält. Nicht die durch und durch unwirksame, häufig sogar schädliche Entwicklungshilfe wird die Situation in den Herkunftsländern der Boat People verbessern, sondern Marktwirtschaft und Freihandel. Und auch uns Europäern würde mehr Kapitalismus, sprich ein deregulierter Arbeitsmarkt und offene Grenzen, gut tun. Einwanderer zahlen Steuern, sie konsumieren, sie schaffen Arbeitsplätze, sie bringen neue Sichtweisen und Ideen mit, die unsere Gesellschaft bereichern. Teure staatliche Integrationsprogramme sind nicht von Nöten, wenn Migranten jeden Tag im Kontakt mit ihren Kunden, ihren Arbeitgebern, ihren Kollegen und ihren Geschäftspartnern Deutsch lernen und so Schritt für Schritt in unsere Gesellschaft hinein finden. Doch ein Wohlfahrtsstaat, der auf Zwangsabgaben basiert und den Arbeitsmarkt mit Hilfe von Kündigungsschutz, Vorrangprüfungen, Mindestlöhnen und ähnlichem sozialistischem Popanz durchbürokratisiert hat, muss Einwanderung so gut es geht verunmöglichen. Wenn Politik vor allem darin besteht, immer neue steuerfinanzierte Geschenke an immer mehr Anspruchsberechtigte zu verteilen, dann ist die positive Dynamik, die Migration in eine Gesellschaft bringt, in erster Linie eine Bedrohung und jeder Zuwanderer ein potentieller Kostgänger, der das ohnehin nicht mehr finanzierbare Schneeballsystem im Namen der „sozialen Gerechtigkeit“ näher an den Kollaps bringt.

Kurzum: Offene Grenzen brauchen freie Märkte, Wohlfahrtsstaaten brauchen antikapitalistische Schutzwälle, die Migranten mit allen Mitteln abwehren. Alles weitere erklärt Milton Friedman.