Mehr oder weniger verdienstvolle Gänsefüßchen-Liberale ziehen auch zwei Wochen nach der Abwahl der blau-gelben Unfreidemokraten eine Schleimspur durch die linksstehenden Qualitätsmedien. Was als Balzverhalten gegenüber dem etatistisch gesinnten Establishment gedacht war ist nichts weiter als der Totentanz einer sich selbst überflüssig machenden Partei. Das mag manch einer tragisch finden, aber wenn die Lindners dieser Welt uns jetzt treuherzig versichern, dass sie den deutschen Liberalismus retten werden, indem sie ihn “mitfühlend” gestalten, dann wird’s durchaus komisch.

Wer Liberalismus nicht als inhaltsleeren Freifahrtschein in die Berufspolitik versteht, sondern sich an den Werken von Mises, Hayek oder Friedman orientiert, der reibt sich verwundert die Augen. Alles, was diese in Deutschland als „Marktradikale“ geschmähten Forscher über Ursache und Form des Scheiterns etatistischer Politik zu sagen hatten, ist eingetreten. Wer es nicht glauben mag, der betrachte den bundesdeutschen Schuldenberg oder die Zustände in Rettungseuropa. Die Staatsskeptiker – also die echten Liberalen – haben auf der ganzen Linie Recht behalten, während die Staatsgläubigen – also sämtliche deutsche Parteien inklusive weiter Teile der FDP – dumm dastehen. Um es mit dem berühmten Philosophen Giovanni Trappatoni auf einem Niveau zu sagen, das auch die Liberalalas dieser Welt verstehen: Etatismus hat fertig, Kasse leer!

Liberale Politik ist angesichts von Schulden- und Euromisere schlicht alternativlos. Ethisch überlegen ist sie den semi-totalitären Phantasien der rechten und linken Zwangsbeglücker ohnehin. Liberale stellen das Individuum und seine Freiheit in den Mittelpunkt ihrer Politik, nicht eingebildete (Zwangs-)kollektive und staatlich verordnete Utopien. Mitgefühl wiederum ist seit jeher elementarer Bestandteil der einzigen politischen Philosophie, die konsequent vom Menschen her denkt. Diese Selbstverständlichkeiten laut und deutlich zu kommunizieren ist das mindeste, was man von Politikern erwarten darf, die sich zum Liberalismus bekennen. Ob der kollektivistische Mainstream in diesem Land das gut oder schlecht findet ist mitnichten ein Kriterium. Wer das anders sieht, der hat in einer liberalen Partei nichts verloren.