Liberal gesinnten Zuschauern konnte angesichts der populistischen Tiraden, die gestern bei “Hart aber Fair” über den Bildschirm flimmerten, Angst und Bange werden. Und das lag nicht an Bernd Lucke. Es lag auch nicht an den üblichen Märchen der EU-Fans, die uns weismachen sollten der Euro hätte den zweiten Weltkrieg beendet und Deutschland erst zu einer erfolgreichen Exportnation gemacht. Viel schlimmer ist, dass zum wiederholten Mal führende deutsche Politiker, in diesem Fall Norbert Röttgen und Ralf Stegner, einem europäischen Imperialismus das Wort redeten, ohne das irgendwer widersprach.  

Damit Europa in einer globalisierten Welt seine wirtschaftliche Vormachtstellung sichern könne bedürfe es einer starken EU argumentierten die Euro-Gläubigen in der Runde. Chinesen und Inder wurden als finstere Feindkollektive ausgemacht, die uns Europäern den Platz an der Sonne streitig machen wollen. Offenbar ist die Bürde des weißen Mannes nur noch mit vereinter Kraft und vor allem gemeinsamer Währung zu schultern.

Den EU-Nationalisten scheint entgangen zu sein, dass die unrühmlichen Zeiten der Kanonenbootdiplomatie vorbei sind. Abgesehen davon werden sich die Schmalspurkolonialisten von Brüssels Gnaden eine blutige Nase holen, wenn sie sich mit Groß- und Atommächten wie Indien und China anlegen. Die Europäische Union ist bekanntlich gar nicht zu einer koordinierten Außenpolitik in der Lage und dass, obwohl sie über einen teuren diplomatischen Dienst verfügt. Das größenwahnsinnige Getöse von der Weltmacht EU ist realpolitisch betrachtet vor allem lächerlich.

Marktwirtschaftliche Beziehungen sind ohnehin kein Schlachtfeld für hegemonial gesinnte (Supra-)Nationen. Märkte ermöglichen Individuen freiwilligen Austausch zum Vorteil aller Beteiligten. Das ist das Gegenteil eines Nullsummenspiels. Der Freihandel ist nicht umsonst eine der ältesten außenpolitischen Maximen des Liberalismus. Wir profitieren in Deutschland enorm von der gestiegenen Kaufkraft der Schwellenländer und ihrem Interesse an deutschen Produkten. Und weil wir die Zahlmeister Europas sind profitiert davon auch die EU. Das letzte was wir Europäer brauchen sind Handelskriege mit den aufstrebenden Staaten des Südens.

Dass einst bitter arme Weltregionen heute Schritt für Schritt aus dem Elend finden verdanken sie ihrem Bekenntnis zur Marktwirtschaft. Sogar nominell kommunistische Staaten haben das erkannt. Doch was Anlass zur Freude sein sollte löst bei EU-affinen Etatisten jeglicher Couleur offenbar vor allem tiefsitzende Aggressionen aus. Das ist gar nicht so paradox, steht die Europäische Union doch gegen diesen zivilisatorischen Trend: In Brüssel will man mehr Planwirtschaft und Zentralismus statt weniger. Es ist jammerschade, dass die EU nicht das Friedensprojekt ist, das sie zu sein vorgibt. Ein Europa, das politische und wirtschaftliche Freiheit vorlebt, wäre ein echter Gewinn für eine globalisierte Welt.  Der undemokratische EU-Moloch mit seiner lobbyverseuchten Funktionärswirtschaft versprüht nur den Charme des Ostblocks der späten 1980er Jahre.

Es sind natürlich nicht die Chinesen und die Inder, die unsere wirtschaftlichen Erfolge gefährden. In Deutschland ist es das Irrsinnsprojekt Energiewende und die politisch gewollte Wissenschaftsfeindlichkeit. Der größte Mühlstein von allen ist aber die zentralverwaltungswirtschaftliche Währungsunion, die bereits Millionen Europäer in die Armut gestürzt hat. Kein populistisches Geraune über die gelbe Gefahr kann das kaschieren.