Warum kriegen Teile des qualitätsmedialen Komplexes plötzlich Muffensausen angesichts einer großen Koalition? Die Sache ist doch ganz einfach. Wer für die im neuen Bundestag vertretenen Parteien gestimmt hat, der hat vor allem zwei Dinge gewählt: Einen regulierenden Staat und eine Europapolitik, die de facto auf Vergemeinschaftung der Schulden hinausläuft. Das gilt von CDU/CSU bis Linkspartei.

Wie gering die Unterschiede zwischen Schwarz, Rot, Röter und Grün sind zeigte sich bereits Stunden nach der Verkündigung des amtlichen Wahlergebnisses, als Wolfgang Schäuble umgehend Steuererhöhung anbot, um der SPD entgegen zukommen. Halb zog sie ihn, halb sank er hin. Die Illusion, dass ein Stück Papiers mit zwei Kreuzchen drauf an der conditio tributaria irgendetwas ändern könnte, ist wieder einmal als solche entlarvt worden.

Eurorettung, Energiewende und das Bekenntnis zum wohlfahrtsstaatlich waltenden Leviathan sind so oder so gesetzt. Deswegen ist auch die Größe der Opposition egal, denn die vier etatistischen Parteien im Bundestag sind sich bis auf Details in allen relevanten Punkten einig. Schade eigentlich, wollten doch viele Bürger eine Atempause vom stetig wachsenden Regulierungsstaat und eine Begrenzung der Risiken, die Deutschland in der Eurokrise auf sich nimmt. Angela Merkel suggerierte gekonnt, dass sie für eine solche Politik steht. Die nützlichen Idioten von SPD, Grünen und Linke mit ihren Steuerplänen, Verbotslisten und EU-Solidaritätsadressen machten es der Kanzlerin im Wahlkampf denkbar leicht, ihren zurückhaltenden Politikstil und das Image der soliden Obersparerin zu Geltung zu bringen. So wurde Merkels CDU für risikoaverse Bürger beinahe alternativlos, außer man war verwegen genug für ein Kreuz bei den „Europafeinden“ von der AfD. Aber für Extravaganzen ist der deutsche Wähler nun einmal nicht berühmt. Trotzdem wollte die Mehrheit keine rot-grünen Steuererhöhungen oder zu viel Nachgiebigkeit gegenüber der Brüsseler EU-Mafia. Deswegen bekommt man nun genau das, aber dafür in schwarz-rot. Das ist Demokratie in der spätetastischen Parteiendemokratur.