Jeden Wahlabend schwirren die digitalen Kuchendiagramme durch den Äther und werden von den allwissenden öffentlich-rechtlichen Gurus präsentiert. Dabei gibt es nur ein Problem: Die Zahlen stimmen so nicht. So wie die Tortenstückaufteiler bei jeder Meinungsumfrage unterschlagen, dass die Nichtwähler nicht einbezogen werden, kommen sie auch bei den Wahlergebnissen  nicht vor. Rund 17% haben nicht gewählt. Damit relativieren sich die Zahlen wie folgt: Die CDU wurde gerade mal von 30,88% der Wahlberechtigten gewählt, die SPD erreichte 18,63%, die Linke 6,35%, die Grüenen 5,91, FDP 3,36%  AfD 3,5%en 1,55%. Selbst eine Große Koalition repräsentiert nicht einmal die Hälfte aller Wahlberechtigten (47,55%). 8,23 Prozent entfallen auf FDP, AfD und Piraten, also drei Parteien, zu deren Beobachtung seitens des Verfassungsschutzes kein Anlass besteht. 

AfD und FDP sind von 4,13 Millionen Bürgern gewählt worden. Trotzdem sind beide Parteien im Parlament nicht vertreten. Die APO ist bürgerlich. Gemeinsam mit der CDU/CSU bringen sie mehr Stimmen zusammen wie Rot-Rot-Grün. Die Mär von der linken Mehrheit ist eine Folge der Marktzugangsbeschränkung der etabierten Parteien, zu denen sich die FDP 1953 auch zählte.

Immerhin ist diese Mehrheit sichtbar geworden. Was lernen wir daraus.

1. Erst der Staat und dann die Partei. Die SPD hat mit diesem Satz in zwei großen Koalitionen ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. 1969 bildete sie eine Koalition mit der von Walter Scheel frisch von der “Schlußstrich-FDP” zur “soziallierberalen” Partei und konnte 13 Jahre lang in dieser Konstellation regieren. 2009 ging sie allerdings mangels eines fehlenden Willy Brandt gegen die schwarze Witwe Angela Merkel unter. Das lag aber an den Kleingeistern von Müntefering über Platzeck, Beck und Steinmeier, die weder inhaltlich noch personell eine überzeugende Alternative bieten konnten. Die SPD hat mit ihrer Steuererhöhungsstrategie ein Konzept aus den Siebzigern kopiert: Wenn wir weniger Leuten was wegnehmen und mehr Leuten was geben, kriegen wir die Mehrheit. Nur haben die Leute nach rund 40 Jahren Umverteilungsstaat langsam begriffen, dass das ein leeres Versprechen ist.

2.