Jean-Claude Juncker gebührt das Verdienst schon 1999 ausgesprochen zu haben, wie die Errichtung einer supranationalen Scheindemokratie von Brüssels Gnaden funktioniert:

“Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.”

Und so kam es dann, dass wir uns im Jahr 2013 hoffnungslos in milliardenschweren Rettungsschirmen verheddert haben, die im Namen der “Solidarität” den freien Fall der europäischen Schuldenstaaten aufhalten sollen. Längst ist klar, dass sie stattdessen auch die deutsche Volkswirtschaft mitreißen werden. Ob geteiltes Leid dann halbes Leid sein wird werden wir noch früh genug erfahren. 

Es sieht nicht gut aus an der Eurofront, auch wenn momentan Ruhe eingekehrt zu sein scheint. Frankreich und Italien haben den Schritt über die Kante bereits getan. Auch starke Länder wie Finnland oder die Niederlande straucheln. Mit  Slowenien steht zudem ein zweites Zypern bereit, der Bankensektor des Neumitglieds ist bereits im Zusammenbruch begriffen. Von den katastrophalen Zuständen in den Krisenstaaten Spanien und Griechenland ganz zu schweigen. Weimar grüßt Athen, Euro Heil!

Doch zurück zu Jean-Claude Juncker. Der überzeugte Eurokrat äußerte sich heute zufrieden über den Ausgang der deutschen Wahl.

Einer muss sich ja erbarmen, entweder die Sozialdemokraten oder die Grünen. Insofern ist das Ergebnis Europa-tauglich.

Er hat allen Grund zur Zuversicht. Ob Schwarz-Rot, Schwarz-Grün oder gar Rot-Rot-Grün, man wird in Treue fest zum Euro stehen. Die Etatistenmafia in Brüssel, Athen, Paris, Dublin, Rom, Madrid et all. darf also auf baldige Weichenstellungen in Richtung Schuldenunion hoffen. Bemerkenswert ist der Kommentar Junckers zum Schicksal der FDP:

Mein Bedauern bezieht sich auf die innenpolitische Atmosphäre in Deutschland. In europapolitischen Fragen bin ich weniger zärtlich, wenn es um die FDP geht.

Das lässt den euroskeptischen Leser einigermaßen erschrocken zurück. Die FDP-Führung hatte schließlich getan wie ihr geheißen und Skeptiker in den eigenen Reihen mit allen Mittel bekämpft. Die Quittung dafür gab es vergangenen Sonntag. Für den Euro gingen die „Liberalen“ um Westerwelle und Rösler in den politischen Tod. Es mutet nachgerade zynisch an, wenn Juncker den freidemokratischen Kamikazepiloten jetzt noch hinterherpöbelt. Welche Worte – oder gar Taten – mag er da für echte Eurokritiker im Sinn haben?

Aber Junker ist auch ein Mann der weisen Worte. In einer Laudatio auf Joschka Fischer bemerkte er einst, dass ein Floh einen Löwen in den Wahnsinn treiben kann, umgekehrt funktioniert das jedoch nicht. Diesen Rat muss man als deutscher Euroskeptiker beherzigen, denn realpolitisch betrachtet sieht es zappenduster aus. Die AfD konnte mit ihrem Achtungserfolg zwar ein Zeichen setzen, mehr aber eben auch nicht. Die FDP, die einzige Partei in der es nennenswerten Widerstand gegen die alternativlose Retterei gab, hat sich selbst entleibt. Mit Christian Lindner, der sich gerade an die Spitze der Zombie-Liberalen putscht, wird es auch in Zukunft keine Änderung dieses Kurses geben. Die Auferstehung einer Eurokritikerpartei aus blau-gelben Ruinen fällt demnach aus. Was also bleibt vom deutschen Euroskeptizismus? Ein Peter Gauweiler im Bundestag, Bernd Lucke als Talk-Show-Gast, Broders neues Buch, gute Chancen der AfD bei den kommenden Europawahlen, hier und da kritische Artikel in der FAZ oder der WELT und natürlich die liberale Blogosphäre. Flohbisse eben. Guten Hunger!