Was war das spannend gestern Abend! Meine größte Angst war, dass die Gänsefüßchen-Liberalen von der FDP doch noch irgendwie in den Bundestag rutschen könnten. Zum Glück hatte der Gott der Freiheit ein Einsehen und schickte diese Truppe von verkappten Sozialdemokraten und verhinderten CDUlern in die Wüste. Gut so.

Vor vier Jahren gelang mit einem wirtschaftsliberalen Programm die Mobilisierung von fast 15 Prozent der Wählerstimmen. Was dann folgte ist mit Verrat an liberalen Grundprinzipien noch höflich beschrieben. Jetzt gab es die gerechte Quittung. Der FDP kann man nur wünschen, dass die wenigen echten Liberalen jetzt das Heft in die Hand nehmen, so sie von der intriganten Boygroup noch nicht weggemobbt wurden. An erster Stelle ist hier natürlich an den tapferen Frank Schäffler zu denken.

Antiliberale Haltungen haben aber nicht nur der FDP das Ergebnis gründlich verhagelt. Der bedauernswerte Peer Steinbrück sollte eigentlich als Schröder 2.0 um die Mitte werben. Mit dem dezidiert linken Programm, das ihm die SPD-Strategen in vorauseilendem Gehorsam vor den grünen Scheinriesen aufoktroyierten, war das ein Ding der Unmöglichkeit. Diese linke Nummer ist den Sozialdemokraten gar nicht gut bekommen.

Die Grünen mussten erfahren, dass Verbotsorgien und Steuererhöhung selbst bei der eigenen Klientel nicht erwünscht sind. Kommunist Trittin sah sich schon als Finanzminister und wollte mit rechtsstaatwidrigen Methoden “Superreichen” an den Kragen. Jetzt ist seine Karriere für’s Erste vorbei. Die grünen Politfunktionäre und ihre zahlreichen Claqueure in den Qualitätsmedien hatten vergessen, dass ihre Partei immer auch von einem anarchischen Nimbus zehrte und sich überdurchschnittliche viele Besserverdiener unter ihren Wählern finden. In Ehren ergraute Alt-Spontis mit Ferienhäusern in der Toskana und berufsjugendliche Hipster mögen obrigkeitsstaatliche Politik nun einmal nicht sonderlich, selbst wenn diese ökologisch korrekt ist. Noch weniger Netto vom Brutto kommt für diese Wählergruppen auch nicht in Frage. Cem Özdemirs trotzige Feststellung, die Grünen wären eine „libertäre“ Partei, ist nachgerade niedlich. Ihr antiliberales Ressentiment hat die Ökos wichtige Prozentpunkte gekostet.

Bei der schwachen Vorstellung von Rot-Grün hätte eigentlich Dunkelrot profitieren müssen. Doch trotz Europrotestpotential und herzhaft populistischem Wahlkampf landeten die Mauermörder unter ihrem Ergebnis von 2009. Angesichts der geballten Steilvorlagen für die LINKE ist das wirklich erstaunlich und vor allem sehr tröstlich. In Deutschland stehen viele Menschen politisch links, deswegen machen sie ihr Kreuz aber noch lange nicht bei Gysis totalitärer Truppe. Anstand ist eben keine Frage des politischen Lagers.

Dann ist da noch die AfD, die ihren sensationellen Erfolg einem liberalen Kernthema, der Kritik am Euro zu verdanken hat. Denn selbst wenn uns der politisch-mediale Komplex etwas anderes glauben machen will: Drei Monate nach der Parteigründung nur knapp an einem Bundestagsmandat vorbei zu schlittern ist eine außerordentliche Leistung. Die AfD ist, von der Eurokritik einmal abgesehen, eigentlich eine rechtskonservative Partei mit einem kleinen liberalen Flügel, aber immerhin hat sie einen. Viele FDP-Dissidenten gaben ihre Stimmen deswegen den Newcomern. Liberalismus lohnt sich eben.

Die CDU hat unter Merkel rot-grüne Positionen absorbiert und steht für Etatismus und Zentralverwaltungswirtschaft auf nationaler wie europäischer Ebene. Der Nanny-State ist bei Mutti also bereits in besten Händen. Wer hier einen Kontrapunkt setzen will, der muss für Freiheit, Markt und Eigenverantwortung eintreten. Das sind gute Aussichten für den Liberalismus.