Dass sich rechte Zeitgenossen mit Deutschen schwer tun, deren Stammbaum nicht bis zu Armin dem Cherusker zurückreicht ist so bekannt wie betrüblich. Seltener wird linker Alltagsrassismus thematisiert. Der rot-grüne Besssermensch mag sie ja auch, seine “persons of color”. Er hat sie gerne als Opfer von Diskriminierung, um die er sich kümmern kann (besonders gerne gegen Bezahlung), und vor allem als treue Parteigänger im linken Spektrum.

Deswegen schätzt er es nicht sonderlich, wenn die lieben neuen Mitbürger eigene Wege abseits des linken Mainstreams gehen. Vor allem Kritik an der Herkunftskultur, speziell wenn es sich dabei um islamische Gesellschaften handelt, sorgt für Unmut bei  Multikultifans. Wer partout kein Opfer der deutschen Mehrheitsgesellschaft sein will, sondern sich als Teil derselben pudelwohl fühlt, der macht sich ebenfalls unbeliebt.

Philipp Rösler hat sich geweigert ein Interview mit der TAZ freizugeben, in dem er nicht als Wirtschaftsminister und FDP-Chef befragt, sondern als vermeintlicher Migrant und bedauernswertes Rassismusopfer vorgeführt werden sollte. Das linke Käseblättchen hat die Fragen trotzdem gedruckt, ohne seine Antworten. Wer hier ein Problem mit Rassismus hat wird auch so klar. Ganze sechs Fragen in dem einstündigen Interview beziehen sich auf die Politik der FDP und die Bundestagswahl.  Die restliche Zeit nutzten die TAZ-Redakteurinnen, um Röslers “Anderssein” zu erkunden:

Herr Rösler, welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht, dass andere Probleme mit Ihrem asiatischen Aussehen haben?

Sie bekommen immer wieder Hassmails. Weil Sie FDP-Chef sind? Oder weil man Ihnen Ihre nichtdeutschen Wurzeln ansieht?

Warum werden Sie gehasst?

In Niedersachsen, wo Sie herkommen, wurden Sie häufig als “der Chinese” bezeichnet. Ist das aus Ihrer Sicht Ausdruck von Hass oder Ressentiment?

An Wahlkampfständen scheint das eine andere Rolle zu spielen. Dort bekommen FDP-Mitglieder zu hören: “Ich würde euch wählen, wenn Ihr nicht diesen Chinesen an Eurer Spitze hättet.”

Herr Rösler, zurück zu Ihnen. Wann haben Sie bewusst wahrgenommen, dass Sie anders aussehen als die meisten Kinder in Deutschland?

Sind Sie als Kind deswegen diskriminiert worden?.

Würden Sie sich selbst als Migrant bezeichnen?

Sie waren mit 33 Jahren zum ersten Mal in Vietnam, auf Initiative Ihrer Frau. Warum interessiert Sie persönlich das Land Ihrer leiblichen Eltern nicht?

Sie haben das Bild vom Bambus, der sich im Wind biegt, aber nicht bricht, in die politische Diskussion eingeführt. Was wollten Sie damit ausdrücken?

Als Politprofi dürfte Ihnen klar gewesen sein, dass ein solches Bild von einem asiatisch aussehenden Politiker auf diesen bezogen wird. Das soll keine Rolle spielen, sondern Zufall sein?

Rainer Brüderle hat dieses Sprachbild mehrfach aufgegriffen und gesagt: “Glaubwürdigkeit gewinnt man nicht, indem man wie Bambusrohr hin und her schwingt, sondern steht wie eine Eiche. Deshalb ist die Eiche hier heimisch und nicht das Bambusrohr.” Warum sagt Ihr Fraktionschef so etwas?

Warum waren Sie dann bei der Einlassung von Peer Steinbrücks Pressesprecher Rolf Kleine nicht entspannt? Kleine hat sich mit einem Facebook-Eintrag über Sie lustig gemacht und sie mit einem nordvietnamesischen General in Verbindung gebracht. Daraufhin haben Sie in einem Interview gesagt: “Wer so handelt, muss für sich entscheiden, ob er noch Anstand hat und die richtigen Konsequenzen daraus zieht.”

Man muss sich nicht sehr anstrengen, um bei Brüderles Aussage eine ganz ähnliche Konnotation herauszuhören. Dass Sie das eine – zumindest öffentlich – ganz entspannt sehen und das andere als latenten Rassismus kritisieren, lässt sich schwer nachvollziehen.

Was meinen Sie, brauchen wir in Deutschland eine breitere Debatte über Rassismus?

Philipp Rösler ist Deutscher, was auch sonst, er lebt seit seinem neunten Lebensmonat hier. Schade, dass es im Jahr 2013 immer noch Menschen gibt, die das nicht akzeptieren können.