Niedriglöhne führen zur flächendeckenden Verarmung. Diese Nachricht schallt uns auf allen Kanälen entgegen.  Und die Lebenshaltungskosten der armen Arbeitnehmer wird auf den Steuerzahler abgewälzt. Soweit die Legende, die Gewerkschaften und Parteien allenthalben und überall verbreiten. Es helfe nur ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro. Doch die Legende ist falsch. Ein Rechenbeispiel:

Bei 8,50 Euro pro Stunde, Acht Stunden am Tag und 20 Tagen im Monat erhält der Arbeitnehmer 1360 Euro Brutto.  Bei rund 20% Arbeitnehmeranteil erhält er Netto 1088,00 Euro. Der Arbeitgeber muss zusätzlich 272 Euro so genannten Arbeitgeberanteil zahlen;Das erhöht die Arbeitskosten auf 1632 Euro, die der Arbeitnehmer mit seiner Arbeit erwirtschaften muss, damit sie sich für das Unternehmen lohnt. Der Stundenlohn inklusive Arbeitgeberanteil liegt bei 10,20 Euro.

Das ist gerade bei niedriger Produktivität oder schlechter Ausbildung nicht immer wirtschaftlich. Und führt zu folgenden Alternativen:

  • Das Unternehmen entlässt den Arbeitnehmer, weil sich seine Tätigkeit nicht mehr rechnet.
  • Rund ein Drittel der Arbeitskosten entfallen auf die Sozialversicherung. Vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer Schwarzarbeit, können sie über 544 Euro disponieren. So kann der Arbeitnehmer etwa 8,50 Euro netto erhalten und der Arbeitgeber spart trotzdem 1,70. Je höher der Mindestlohn, desto höher der Anreiz in die Schwarzarbeit auszuweichen.

Das zweite Argument lautet, dass durch einen Mindestlohn von 8,50 Euro die Zahl der Aufstocker reduzieren würde, die also zusätzlich zu ihrem Netto-Einkommen noch “Hartz IV” oder Arbeitslosengeld 2 erhalten.

2011 gab es 1,4 Millionen erwerbstätige Hartz IV Empfänger. Davon waren 329.000 Vollzeitbeschäftigte. Nur sie könnten überhaupt den angestrebten Mindestlohn erhalten. Allerdings werden die wenigsten von ihnen tatsächlich aus der “Aufstockung” heraus fallen. Rund 250.000 von ihnen leben nämlich in so genannten Erwerbsgemeinschaften, also mit Lebenspartnern und oder Kindern. Lediglich 79.500 Menschen sind vollerwerbstätig und stocken gleichzeitig auf. Nur diese kleine Gruppe könnte dann tatsächlich mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro auf Hartz IV verzichten.

Das hört sich auf den ersten Blick viel an. Bei über 40 Millionen Beschäftigten Ist es aber eine Marginalie. Auch die Kosten dürften marginal sein. Wenn wir von einem durchschnittlichen Betrag von 300 Euro handeln, um die “aufgestockt wird, dann reden wir von einem Betrag in Höhe von 23,85 Millionen Euro, mit dem der Staat die Aufstocker finanziert.

Warum sind die Gewerkschaften dann für den Mindestlohn: Zunächst lässt sich damit eine wirksame Untergrenze für Tarifverhandlungen definieren.  Und zum zweiten wächst die Anzahl derjenigen, die voll sozialversicherungspflichtig werden. Bei einem MIndestlohn von 8,5 Stunden wird die Schwelle zur vollen Sozialversicherungspflicht bereits bei 25 Wochenstundenarbeitszeit erreicht. Das ist für die jenigen Mitarbeiter relevant, die mehr als 6,80 Euro verdienen. Sie bekommen sogar weniger Geld Netto heraus.

Wollte man den Niedriglohnsektor wirksam entlasten, müsste man die Schwelle zur Sozialversicherungspflicht mindestens auf das Existenzminimum anheben. Noch besser wäre wie im Steuerrecht eine Progression: Bis 1000 Euro Verdienst 10%, bis 2000 Euro 20%, bis zur Bemessungsgrenze 30%. Dafür werden alle sozialversicherungsfernen Leistungen aus  Renten, Kranken, und Arbeitslosenversicherung heraus genommen.

Der Mindestlohn nützt dem Niedriglohnsektor also gar nichts.