Wer länger bloggt, bleibt länger schlau. Und wer die Freunde der offenen Gesellschaft regelmäßig liest, ist kaum darüber überrascht, dass die Umfragewerte der Grünen immer schlechter werden, je näher der Wahltag rückt. Das Ergebnis der Meinungsumfragen entspricht immer den Erwartungen derjenigen, die sie machen. Und es ist das Resultat eines Nullsummenspiels: Was die Einen gewinnen, verlieren die Anderen. Die Bürger, die keine der etablierten Parteien wählen, sind stets unberücksichtigt.  Da steht zu befürchten, dass die zu erwartenden Wahlergebnisse der “Alternative für Deutschland” genauso unterschätzt werden wie  die der FDP.

Die Abweichungen zwischen Umfrage und Wahlergebnissen habe ich bereits am 21.02.2011 anhand der Hamburger Landtagswahl analysiert:

Das ZDF-Politbarometer taxierte die Grün-Alternative Liste am 01. Dezember 2010 bei 21%. Sie bekamen 9.8% weniger. Bezogen auf das eigentliche Ergebnis hat sich das ZDF um satte 87.5% verschätzt. Eine Woche vor der Wahl vermuteten die Forscher 30% mehr Wähler für die Grünen. Insgesamt wies das reale Wahlergbnis eine andere Verteilung auf: Summiert man die Differenzen zwischen Prognose und Wahlausgang so beträgt die Differenz zum Politbarometer 22.7%, um die sich die Befrager verschätzt haben. Nimmt man die Wahlumfrage vom 11.02. zum Maßstab (also eine Woche vorher), dann sind es immer noch 8.8%-Punkte Differenz.

Die Verteilung der Abweichungen ist allerdings tendenziös. Während die Grünen notorisch überschätzt werden, trifft für die Liberalen das Gegenteil zu. Das Wahlergebnis der FDP wurde im Dezember 2010 um fast 40% zu niedrig eingestellt und auch eine Woche vor der Wahl traute das Politbarometer der FDP fast 25 % weniger Wähler zu als sie tatsächlich bekam.

Und anhand der Bremer Landtagswahl 2011 habe ich die Relevanz der Nichtwähler untersucht. Seitdem sind rund 52% der Wähler im Stadtstaat nicht repräsentiert:

Die Wahlbeteiligung lag bei 53%. In´s Parlament schafften es SPD (20,29% a l l e r  Wahlberechtigten), Grüne (12,03), CDU (10,65), Linke (3.07) und BIW (1.9 wegen einer Bremer Sonderregelung). Addiert man die FDP Wähler (1.37) und sonstige (3.6), die zusammen mit den Nichtwählern 52% der Wahlberechtigten ergeben. Von strahlenden Wahlsiegern zu sprechen, sollte sich also eigentlich verbieten. Wahrscheinlich war gerade das konservativ-kleinbürgerliche Lager einfach zuhause geblieben (wie schon in NRW).

Erstmals hat FORSA übrigens im Mai zugegeben, dass vermutlich 40% der Wahlberechtigten von den etablierten Parteien die Schnauze voll haben:

Forsa hat erstmals die Zahl der Politikverdrossenen veröffentlicht.  30% Prozent wollen überhaupt nicht wählen, 10% geben “Splitterparteien” ihre Stimme. Wer im September die absolute Mehrheit im Bundestag erreichen will, braucht also nur noch 25% der absoluten Stimmen. Für FdoG Leser nichts neues, aber ein deutliches Zeichen, dass die repräsentative Demokratie ein Akzeptanz-Problem hat. Denn viele von denen, die wählen gehen, tun dies – wie ich – schon lange mit der Faust in der Tasche.

Obwohl ich mit vielen Punkten im Programm der “Alternative für Deutschland” nicht übereinstimme, werde ich ihr deshalb die Stimme geben:

Natürlich bedeutet der Einzug der “Alternative für Deutschland” die Neuauflage einer großen Koalition. Aber sie bedeutet auch das Ende der Sozialdemokratisierung der Politik und insbesondere gibt es für das bürgerliche Lager eine neue Heimat. Das wird auch die althergebrachten Parteien zur Raison bringen und die unselige Merkelsche Regentschaft beenden. Das ist mir weitere vier Jahre der großen Allparteienkoalition wert.

Was zu sagen war.

 

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