Wenn das Allensbach Institut im Auftrag des Magazins Emma ermittelt, dass zwei Drittel der Frauen und 41 Prozent der Männer glauben, dass „noch viel getan werden, bis Mann und Frau in der Bundesrepublik gleichberechtigt sind“, dann war das zu erwarten, ist aber trotzdem skurril. Männer und Frauen sind in Deutschland vor dem Gesetz gleich und damit gleichberechtigt. Trotzdem ging die Zahl der Frauen, die die Gleichberechtigung in Deutschland als “weitgehend verwirklicht” betrachten seit 2011 von 42 auf 36 Prozent zurück. Um die „gefühlte Gleichberechtigung“ steht es demnach schlecht, da stören schnöde Fakten nur. 

Als Erklärungen für diese Absurdität müssen sowohl die Dirndl-Kommentare angeheiterter Politopas als auch die konstruierte „Gender Pay Gap“ von angeblichen 22 Prozent herhalten. Dabei ist diese Zahl nur dann haltbar, wenn man es für sexistisch hält, dass eine Frau mit einem Abschluss in Theaterwissenschaften weniger verdient als ein Mann mit Ingenieursdiplom. Beseitigt man die Verzerrungen durch Berufswahl und Ausbildungsstand so wird aus dem Gap ein Gäpchen von 8 Prozent. Deutlich zu wenig, um die alarmistische Rhetorik der Gleichstellungspredigerinnen und die teure staatliche Frauenförderung zu begründen.

Die Emma-Studie zeichnet natürlich ein düsteres Bild von der Lage der deutschen Frauen, die sich „organisieren, um ihre Interessen durchzusetzen“, weil sich viele „von der Politik nicht ausreichend vertreten fühlen“. Mal abgesehen davon dass unklar bleibt, was „die Interessen“ von 40 Millionen Frauen sein sollen, ist dieser Befund erstaunlich, werden wir doch von einer Frau regiert. Im Kabinett Merkel sitzen sechs Ministerinnen und im Bundestag gibt es so viele weibliche Abgeordnete wie nie zuvor. Schwer vorstellbar, dass sich deutsche Staatsbürgerinnen im Jahr 2013 politisch marginalisiert fühlen.

Es erstaunt noch etwas anderes: Seit 1999, als Rot-Grün das Gender Mainstreaming als Leitprinzip der Bundesregierung anerkannte, bemüht sich der Staat mit allerlei Aktivitäten um „die Frauen“. Dieser Politik verdanken wir die „Girls Days“, die Chantal und Jacqueline für Mechatronik begeistern sollen, und rigide Quoten für die Besetzung akademischer Stellen, die Männer diskriminieren. Mit unseren Steuern bezahlen wir Heere an Frauenbeauftragten, Genderexpert_innen und Gleichstellungsfunktionären, es gibt Projekte, Programme und Gesetze, auf allen Ebenen der öffentlichen Verwaltung wird gegendermainstreamed was das Zeug hält, aber bei vielen Frauen reicht das noch nicht einmal für ein gutes Gefühl. Wie kann das sein?

Es muss sogar so sein. Die ganzen staatsnahen Berufsgender_innen würden sich überflüssig machen falls sie irgendwann einmal zu dem Schluss kommen sollten, dass die deutschen Frauen ihrer Hilfe gar nicht bedürfen. Und wer soll dann die Miete für die schicke Altbauwohnung und den wöchentlichen Einkauf im Bioladen bezahlen? Eben. Die Selbstrechtfertigungsstrategien der Geschlechterfunktionär_innen werden also auch in Zukunft kollektivistisch-totalitäre Lösungsvorschlägen für Probleme produzieren, deren Relevanz man ohne einen Abschluss in Gender-Studies gar nicht erkennen kann. Gefühlte Wissenschaft die uns gefühlte Wahrheiten beschert. Nur die Rechnung bekommt der Steuerzahler ganz real in Euro und Cent.