Die FAZ befasst sich heute mit dem neuen israelischen Privatsender i24news, der sich anschickt mit einem Programm auf Englisch, Französisch und Arabisch in Konkurrenz zu Al-Dschasira zu treten. Die FAZ sieht dieses Unterfangen eher kritisch, denn laut seinen Gründern will i24news der globalen antizionistischen Delegitimierungskampagne etwas entgegensetzen.

Da fühlen sich deutsche Qualitätsmedien naturgemäß angegriffen.  Deswegen gibt man den Skeptiker und bemängelt:

Die Programmgestaltung ist nicht nur regimenah, sondern wirkt häufig fast schon wie eine PR-Kampagne für Israel.

So sehr diese Wortwahl irritiert möchten wir den Qualitätsjournalisten von der FAZ zu Gute halten, dass die politische Landschaft des Nahen Ostens eine hochkomplexe Angelegenheit ist. Dank der Arabellion haben unsere Nahostkorrespondenten mittlerweile immerhin gelernt, dass es in dieser Ecke der Welt viele Regime gibt, die Menschenrechte und Demokratie mit Füßen treten. Nun ist Israel natürlich der einzige demokratische Rechtsstaat der Region und der Begriff „Regime“ passt daher auf die aktuelle israelische Regierung so gut wie der Papst auf den Christopher-Street-Day, aber man muss zugestehen, dass selbst die Edelfedern von der FAZ bei derart unübersichtlichen Verhältnissen durcheinander kommen können.

Trotzdem häufen sich die Verdachtsmomente gegen i24news: So geht der Sender mit„arabisch-israelischen“ und „arabischsprechenden jüdischen“  Terrorexperten hausieren, die „die Aktivitäten von Dschihadisten in Syrien und auf dem Sinai als die neue große Gefahr für den israelischen Staat“ darstellen.  Die FAZ merkt indigniert an, dass diese hysterischen Propagandisten damit„auf einer Linie mit der Regierung Netanjahu“ liegen. Also ob blutige Bürgerkriege und gewaltbereite Extremistennetzwerke in angrenzenden Staaten problematisch wären. Ein havariertes Atomkraftwerk am anderen Ende der Welt, DAS ist eine Gefahr!

Außerdem kritisiert die FAZ, dass der Sender einem ägyptischen Politologen ein Forum bietet, um über die Muslimbrüder herzuziehen. Diese seien nicht nur „Extremisten“, sie würden gar eine ungesunden Nähe zum Terrorismus pflegen. Ähnlich absurd ist der Auftritt eines Reporters aus Gaza, der aus unerfindlichen Gründen „den Islamisten misstraut“. Wirklich seltsam, was da für Gestalten bei i24news auf Sendung gehen dürfen.

Last but not Least: Der Sender zeigt „ortsansässige Palästinenser oder Drusen als zufriedene israelische Bürger“, lässt arabisch-israelische Journalisten zu Wort kommen und folgt dem Konzept „Freiheit und Pluralismus zu demonstrieren“ – wer hier nicht förmlich die Perfidie der zionistischen PR-Verschwörung riechen kann, der hat schon lange keine deutschen Medien mehr konsumiert.

An dieser Stelle soll nicht unterschlagen werden, dass auch in den idyllischen Nachbarstaaten Israels nicht alles zum besten steht. Die Muslimbrüder in Ägypten, so warnt heute Raniah Salloum auf SPON, „rücken nach rechts“. Wenn das so weitergeht sind die einst so sympathischen Fundis bald auf einem Level mit den Euroskeptikernazis von der Alternative für Deutschland. Wir sind gespannt, ob Jakob Augstein diese dramatische Entwicklung in seiner nächsten Kolumne aufgreifen wird.