Im Repräsentantenhaus tut sich was: Der Abgeordnete Justin Amash steht an der Spitze einer Gruppe von Volksvertretern, die mit einem neuem Gesetz gegen die NSA-Schnüffelei vorgehen wollen. Das ist gut für alle Staatsskeptiker und schlecht für die deutsche Presse. Amash wird von unseren Medienschaffenden verschämt als “Republikaner” tituliert. Zu viele Worte will man über diesen Mann lieber nicht verlieren, würde das doch das Weltbild der SPONSZEITAZ-Abonnenten ins Wanken bringen.

Denn der junge Abgeordnete aus Michigan ist nach deutscher Lesart der personifizierte American Bad Guy: Als Sohn palästinensischer Flüchtlinge brauchte er keinen Sozialstaat, um im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Karriere zu machen, und das hat sein Weltbild offenbar geprägt. Er steht der Tea-Party nahe und bekennt sich zur Philosophie Friedrich August von Hayeks. Zu allem Überfluss ist er auch noch Christ und israelfreundlich.

Wer sich ein bisschen mit den USA auskennt der weiß, dass es keineswegs ungewöhnlich ist, wenn sich konservativ-libertär geprägte Abgeordnete gegen den Überwachungsstaat auflehnen. In den USA hat rechts-libertäre Staatskritik eine lange historische Tradition. Mit Rassismus und Faschismus, den die deutschen Qualitätsschreiberlinge alle naslang bei der Tea Party vermuten, hat das alles selbstredend nichts zu tun, und das könnte jetzt auch dem einen oder anderen unbedarften deutschen Leser klar werden.

Die Tea Party hatte sich immer schon gegen den Patriot Act ausgesprochen, auch unter George Bush. Kein Wunder also, dass die US-Steuerbehörde den widerspenstigen Freiheitsfundis mit gesetzeswidrigen Methoden auf den Leib rückt. Seit Jahren schon kämpfen Libertäre – rechte wie linke – als einzige entschieden gegen die Auswüchse des amerikanischen Sicherheitsdenkens. Der Friedensnobelpreisträger Obama, Säulenheiliger aller antiamerikanischen Bushfresser auch und vor allem in Deutschland, hat seinen hehren Worten dagegen selten konkrete Taten folgen lassen, wie die Häftlinge in Guantanamo bezeugen können.

Wenn es für unsere Medienschaffenden dumm läuft, dann zieht Amashs Initiative größere Kreise und man wird sich mit diesem Mann noch näher befassen müssen. Dann droht ein ähnliches Debakel wie nach dem Ausbruch der Arabellion, als man sich plötzlich gezwungen sah über die Zustände in arabischen Diktaturen zu berichten, anstatt wie gehabt Israelkritik zu üben. Bald schon könnte auch die simplizistische Lesart der amerikanischen Politik Risse bekommen, die hierzulande als Allgemeinplatz gilt: Republikaner- Rechts-Böse vs. Demokraten-Links-Gut. Dieses Muster war allerdings noch nie besonders passend, alleine schon deswegen, weil der “linke” Obama in Deutschland eher bei der FDP als bei der SPD zu finden wäre. Aber das ist ein anderes Thema. Manchmal ist es eben doch ein bisschen komplizierter, als uns die rot-grünen Leitmedien glauben machen wollen.

Man muss die Tea Party nicht mögen – aber eine US-amerikanische NSDAP ist sie nun mal nicht. Man muss Obama nicht hassen – aber eine Lichtgestalt des Friedens und der Freiheit ist er eben auch nicht. Das alles wäre kein Problem für unsere Qualitätsjournalisten, wenn sie seriös und neutral über die USA berichten würden und sich ihre Meinung für die Kommentarseiten aufheben.