Was sind sie entsetzt, unsere Qualitätsjournalisten. Seit Jahren klaut die NSA deutsche Daten, und keiner hat’s gewusst. Wer hätte sich vorstellen können, dass E-Mail-Dienste, Skype oder gar Facebook keineswegs bombensicher verschlüsselte Kommunikationskanäle sind, sondern offen wie ein Scheunentor für interessierte Staazi-Kreise. Denn darin liegt ja die Kränkung der Schnappatmer in Funk und Fernsehen:

Seit Jahren warnt man mit schriller Stimme vor bösen Konzernen, die unsere freiwillig ins Netz gestellten Likes und Comments für personalisiertes Marketing nutzen – quelle horreur! Doch jetzt stellt sich heraus, dass ausgerechnet der Staat, der uns nach deutscher Auffassung doch vor den gierigen Kapitalisten schützen soll, selber heftig zulangt, und das nicht nur bei öffentlich zugänglichen Daten. Da kann ein aufrechter Etatist schon verzweifeln. Doch eher kollabiert der real existierende Sozialismus, als dass der gemeine Linksdeutsche vom Glauben abfällt. Also behilft man sich wie Jakob Augstein mit Ersatzhandlungen und schäumt gegen die USA. Das antiamerikanische Wutgeheul kompensiert jedoch nur eine zweite tiefe Kränkung, denn es sind ja nicht „die Amerikaner“, die uns ausspionieren, auch wenn unsere Qualitätsmedien diese Formulierung auffällig häufig bemühen. Die Amerikaner werden selbst überwacht, Übeltäter ist die Obama-Administration. Das tut weh, vor allem weil die verhasste Tea Party, die in deutschen Medien gerne als eine Art moderner KuKluxKlan begriffen wird, der dem strahlenden Anti-Bush Obama aus niedersten Motiven ans Leder will, vor genau solchen Zuständen immer schon gewarnt hat. Schlimmer hätte es für die linksgepolte Medienlandschaft hierzulande wirklich nicht kommen können.

Aus liberale Sicht ist die ganze Geschichte nicht überraschend. Staaten haben immer schon jede Gelegenheit genutzt, um ihre Untertanen auszuforschen, das liegt in ihrer Natur. Die Möglichkeiten, die sich Dank Internetkommunikation und sozialer Netzwerke ergeben, sind viel zu verlockend, als dass die Etatisten sie ignorieren könnten. Die USA sind natürlich trotz allem keine Diktatur und niemand wird von der NSA abgeholt, wenn er einen Obama-Witz postet. Amerikanische Grenzbefestigungsanlagen dienen nicht dazu, US-Bürger einzusperren, sondern sollen die unkontrollierte Einwanderung unzähliger Menschen verhindern, die sich nach dem American dream sehnen. Vergleiche mit der DDR hinken daher gewaltig und sind doch aufschlussreich, weil sie deutlich machen, dass dem Staat niemals zu trauen ist, auch nicht in der eingehegten Form, die sich im Westen entwickelt hat. Freiheit kann nur dann effektiv geschützt werden, wenn der Staat so klein wie möglich gehalten wird. Konzerne mögen meine Facebook-Likes sammeln und mir ihre Produkte vorschlagen, doch kaufen muss ich sie trotz allem nicht. Kein bewaffneter Kapitalist wird nachts bei mir klingeln, um mich mit Waffengewalt zum Erwerb eines MacBooks oder eines Nike-Schuhs zu nötigen. Staaten haben geheimdienstliche Information im Lauf der Geschichte oft genug genutzt, um mit Gewalt gegen ihre Bürger vorzugehen. Deswegen ist der Datenklau tatsächlich ein Angriff auf unsere Freiheit.