Die Zinslobby und die Juden sind an den Protesten in der Türkei schuld, so denkt es in Erdogan und seiner Hinterwäldlerkamarilla. Der Lack beim Möchtegern-EU-Beitrittskandidat ist ab, so viel ist klar. Bei den deutschen Islamismusverstehern, speziell denen im Medienbusiness, beginnt unterdessen die Trauerarbeit. Erdogan, der geläuterte Fundamentalist, der die Demokratie mit der Religion versöhnte und sich als pro-palästinensische Friedenstaube betätigte, ist nicht mehr. An seine Stelle ist ein primitiver Despot getreten, der Dissidenten einsperrt, Demonstranten verprügeln lässt und antisemitische Verschwörungstheorien zur Staatsräson erhebt.

Dabei diente seine Türkei doch als leuchtendes Beispiel für die Demokratiefähigkeit  islamisch geprägter Politik und wurde als solches in unzähligen Feuilleton-Debatten den verhassten Islamkritikern um die Ohren geschlagen. Was waren das für selige Zeiten, als man mit einem süffisanten Grinsen die AKP zur türkischen CSU erklären konnte und die Lacher aller politisch korrekten MitmenschInnen auf seiner Seite wusste. Aus und vorbei, die verachteten Türkeikritiker haben Recht behalten. Was ist passiert?

Gar nichts ist passiert. Erdogan war immer schon ein fundamentalistisches, antisemitisches und nationalistisches Arschloch. Warum das so ist konnte man schon vor Jahren auf FdoG nachlesen, besonders ausführlich während der Mavi-Marmara-Farce. Natürlich fielen die deutschen Qualitätsjournalisten mit Pauken und Trompeten auf das Märchen von den gewaltfreien Friedensaktivisten herein, die von jüdischer Soldateska im Schlaf ermordet wurden. Türkische Medien gingen da kritischer ans Werk. Selbst die notorisch israelunfreundliche BBC hatte den Braten schon gerochen, als SPONSZEITFAZ noch der Propaganda der Islamisten und Nazis aufsaßen, die sich unter Erdogans Fittichen zum Jihad gegen den verhassten Judenstaat zusammen gefunden hatten. Erst drei Jahre später, als Claudia Roth in Istanbul Pfefferspray ins Gesicht bekam, haben auch die letzten Medienschaffenden kapiert, wes Geistes Kind der feine Herr Erdogan ist. Wenigstens dafür ist der Grande Dame der Betroffenheitspolitik zu danken.