Manchem Leser (nicht nur der FdoG) hat die Aufregung über den Einzug des generischen Femininums an der Uni Leipzig wohl etwas das Gehirn vernebelt. Da ich mich zwischenzeitlich im Urlaub befand, erfolgt diese klarstellende Ergänzung meiner Welt(untergangs)betrachtungen aus dem Liegestuhl etwas verspätet.

Wenn die Sache mit den Geschlechtern in der Sprache tatsächlich so unwichtig und lächerlich ist, wie in vielen Kommentaren behauptet wird, warum dann die ganze Aufregung? Ist das eventuell vielleicht ein ganz kleines bißchen entlarvend?

Bei vielen gilt es als selbstverständlich, daß Frauen doch wohl kein Zacken aus der Krone brechen könne, wenn sie von einer männlichen Sprachform mitgemeint sein sollen. Wenn umgekehrt das Mitgemeintsein von Männern durch eine weibliche Sprachform aber eine solche Zumutung darstellt (und nichts anderes kommt in den aufgeregten Kommentaren zum Ausdruck), kann man daraus nur einen Schluß ziehen: ein weiblicher Mensch rangiert in der Hierarchie unter einem männlichen.

Wenn man also einen Professoren (m) Professorin nennt oder einen Busfahrer (m) Busfahrerin, dann ist das ungefähr so, als würde man einen General als Gefreiten bezeichnen. In allen drei Beispielen kommt in der Bezeichnung ein niedrigerer Rang und dementsprechend weniger Prestige (und möglicherweise auch Achtung, Kompetenzzuschreibung und dergleichen mehr) zum Ausdruck, als dem Bezeichneten gebührt. Das ist es, was die empfindsameren Gemüter unter den Herren der Schöpfung so erbost.

Ganz offensichtlich sehen das nicht alle so verkrampft. Es gibt Männer, die eine weibliche Bezeichnung nicht als ehrenrührig betrachten oder genügend Selbststand haben, um deswegen nicht gleich hyperventilieren zu müssen. Vielleicht gehören die Typen in den Liegestühlen neben mir auch zu dieser Gruppe. Ich werde später bei einem Cocktail in Erfahrung bringen, welche Konsequenzen das für das Paarungsverhalten hat. Leicht gebräunt und entspannt versus bleich und verkniffen, ich sehe die Chance recht klar verteilt. So klar, daß die Bleichgesichter wahrscheinlich bald irgendeine Quote fordern werden.