Hamed Abdel-Samad wird mit dem Tod bedroht, weil er bei einem Vortrag in Kairo über faschistische Tendenzen im Islam sprach. Die Reaktionen der deutschen Qualitätsjournalisten sind eher lauwarm. Komisch eigentlich, wo man in den Redaktionstuben doch sonst bei jeder Gelegenheit mahnende Zeigefinger erhebt. Immerhin ist hier die Meinungsfreiheit in Gefahr. Jetzt hatte ein Medienschaffender den Mut offen zu benennen, warum das so ist:

Daniel Bax, der Israelkritiker von der TAZ, lässt uns in seiner Kolumne wissen, dass Abdel-Samad als „Stichwortgeber“ von Gutmenschenschreck Henryk Broder eben nicht ganz koscher, oder wie man in israelkritischen Kreisen sagt, halal ist:

In Deutschland gehört Abdel-Samad zur Riege jener „Islam-Kritiker“, die ihre Herkunftskultur mit dem vermeintlich authentischen Blick des angeblichen Insiders kritisieren. In seinem letzten Buch prophezeite er vollmundig gar den „Untergang der islamischen Welt“.

Es gibt nicht wenige, die ihn deshalb für einen Wichtigtuer und Selbstdarsteller halten.

Diese Charakterisierung Abdel-Samads wirft einige Fragen auf: Wenn der Sohn eines ägyptischen Imams nur ein angeblicher Insider ist, wer sind dann die echten Kenner der islamischen Welt? Und wer hat die nötige Autorität, um abschließend über die Authentizität von Islamkritik zu befinden? Die Antwort lautet vermutlich in beiden Fällen: Politisch korrekte Schreibtischtäter wie Daniel Bax. Bleibt noch das Erstaunen darüber, dass Kritik an der Herkunftskultur für Deutsch-Ägypter offenbar tabu ist, während sie unter Deutsch-Deutschen als vornehmste Tätigkeit des linken Intellektuellen gilt.

Islamexperte Bax erklärt Abdel-Samad dankenswerter Weise auch noch wie er sein Problemchen mit den Islamfaschisten lösen kann:

Doch die Drohungen aus Ägypten sind real. Abdel-Samad sollte den Salafisten-Scheich Assem Abdel-Maged deshalb am besten verklagen. Denn Todesdrohungen per TV sind auch in Ägypten nicht legal.

Alles nur halb so wild, Ägypten ist schließlich ein lupenreiner Rechtsstaat und wenn es eine Sache auf der Welt gibt, die gewaltbereiten Fanatikern den Wind aus den Segeln nimmt, dann ist es eine Anzeige. So denkt es eben in spießbürgerlichen Gänsefüßchenjournalisten, die Zeit ihres Lebens nicht aus dem wohlbehüteten Linksmillieu der renovierten Altbauviertel herausgekommen sind. Dummerweise hat der Salafisten-Prediger, der Abdel-Samad im Fernsehen drohte, beste Verbindungen zur Mursi-Regierung. Umso wichtiger sind mutige Stimmen, die solche Zustände an die Öffentlichkeit bringen. Schließlich erhält Mursis Höhlenmenschenregime auch deutsche Steuergelder.