Vor einer Woche durfte Hannelore Kraft noch einmal in sozialdemokratischen Utopien schwelgen. Ihr Ziel sei es „die Welt zu verbessern“ – drunter machen es deutschen Politiker eben nicht – und in die „Zukunft Deutschlands“ zu investieren tönte die Ministerpräsidentin des Pleitelandes NRW in der Presse. Dafür bedarf es natürlich höherer Steuern, die popeligen 600 Milliarden Euro die man 2013 voraussichtlich von den Bürgern erbeuten wird reichen nun mal vorne und hinten nicht. Der Staat so weiß Frau Kraft, muss besser finanziert sein, „damit er die anstehenden Aufgaben bewältigen kann“.

Zu staatlichen Kernaufgaben zählt sie sowohl „die Kinder“ als auch die Verfolgung von Volksschädlingen wie Uli Hoeneß. Business as usual im leviathanschen Wolkenkuckucksheim möchte man meinen. Doch es weht ein Hauch von Melancholie durch das Interview als Kraft bekennt, wie gerne sie „Geschenke verteilen“ würde, wenn doch nur Ländern und Kommunen nicht die notwendigen Finanzmittel fehlten.

Dass selbst Schuldenkönigin Kraft langsam aber sicher die Spendierhosen ausziehen muss dürfen in NRW aktuell die Beamten erfahren, denen entgegen der SPD-Wahlversprechen nun doch keine flächendeckenden Tarifverbesserungen gewährt werden. Vertreter der Steuergeldschmarotzergewerkschaften toben und wittern „Enteignung“, „frühkapitalistische Verhältnisse“ und „Diskriminierung“. In ihrer Regierungserklärung hatte sich Kraft noch für den „Mut“ gelobt, „selbstbewusst“ höhere Ausgaben und neue Schulden in Angriff zu nehmen. Jetzt, bei einem Schuldenstand von 138 Milliarden Euro, ist der nicht vorhandene Steuegroschen offenbar gefallen.

Hannelore Kraft erlebt im Kleinen, was ihr Genosse Francois Hollande in der Grande Nation durchmachen muss. Die sozialistische Freibier-für-alle-Party ist vorbei und ein je nach politischem Standpunkt grausames oder gerechtes Schicksal zwingt ausgerechnet eine linke Regierung dazu, den Bürgern die unbezahlbare Rechnung jahrzehntelanger etatistischer Misswirtschaft zu präsentieren. Hollande, der strahlende Sarko-Bezwinger, versprach vor der Wahl ein Märchenland, in dem soziale Wohltaten fließen, jetzt muss er den Bürgern erklären, warum Dank Politikern wie ihm Kürzungen und Sparzwänge bisher unbekannten Ausmaßes ins Haus stehen. Kein Wunder dass der Mann seit Monaten wie ein hilfloser Trottel von einer Panne zu nächsten taumelt.

Hollands Malaise wird stilbildend sein für die nähere Zukunft der europäischen Sozialdemokratie: In Zeiten erdrückender Staatsschulden ist paternalistische Bürgerbestechung nicht mehr machbar, das Geschäftsmodell linker Parteien steht damit grundsätzlich in Frage. Diese Hollandaise hat nun auch die mächtigste Sozialdemokratin Deutschlands eingeholt, und das ist nur der Anfang.