Daniel Bahr, Gesundheitsminister und Mitglied des FDP-Bundesvorstandes, ließ gestern folgendes zur Zypern-Rettung verlauten:

 Deutschland sei deswegen so erfolgreich, “weil wir wissen, dass man nur das Geld ausgeben kann, was vorher erwirtschaftet wurde.” Zypern habe sich offenbar auf die Sicherheit des Euros verlassen wollen, “ohne selbst etwas dafür zu tun. Das kann nicht funktionieren”.

Diese Aussagen sind in zweierlei Hinsicht bemerkenswert:

Erstens war der deutsche Staatshaushalt zuletzt im Jahr 1970 schuldenfrei, das war sechs Jahre vor Bahrs Geburt. Aktuell steht die Staatsverschuldung bei 1.289 Milliarden Euro (nur Bund). Die FDP verbrachte von den letzten 42 Jahren gerade mal neun auf der Oppositionsbank. Man darf ihr also eine erhebliche Mitschuld an diesen Zuständen attestieren. Zweitens hatten die Zyprer ihre Staatsverschuldung bis zum Ausbruch der Bankenkrise deutlich besser im Griff als wir. Die Wirtschaftsdaten Zyperns konnten sich vor dem Zusammenbruch des heimischen Finanzsektors ebenfalls sehen lassen, die kleine Insel war bis 2009 sogar Nettozahler. Es ist schlicht falsch, dass Zypern auf Pump gelebt hätte. Wie kommt Bahr also zu dieser Behauptung?

Vermutlich hat er einfach Zypern mit Griechenland verwechselt. Ist ja auch fast dasselbe, Olivenbäume Soufvlaki und antike Tempel gibt es hüben wie drüben. Der Unterschied ist nur, dass die Griechen immer schon unter den größten Nettoempfänger waren. Zudem fälschten sie jahrelang positive Wirtschaftsdaten herbei, die jeder realen Grundlage entbehrten, und lebten massiv über ihre Verhältnisse. Heuten halten sie mit satten 176% des BIP den Schuldenrekord in der Eurozone. Zypern war eine stabile Volkswirtschaft, die aufgrund einer singulären Krise in die Miesen rutschte.

Man könnte sich jetzt monieren, dass ein Mitglied der Bundesregierung, zumal eines von der angeblich liberalen und mutmaßlich in Wirtschaftsdingen bewanderten FDP, wissen müsse, woher Zyperns Schuldenproblem stammt und dass Deutschlands Verschuldung kaum geringer ist. Aber vielleicht ist das kleinkariert. Letztlich kommt es in diesen alternativlosen Zeiten nicht auf Details an. Abnicken und Durchwinken ist in der Eurokrise die oberste Politikerpflicht und das kann Daniel Bahr.