Es klingt erstaunlich, aber das Steuerparadies Zypern wurde bis vor einigen Wochen von einem Kommunisten regiert. Dimitris Christofias von der Fortschrittspartei des werktätigen Volkes (AKEL) wird den Zyprern vor allem dadurch in unguter Erinnerung bleiben, dass er bis zum Ende seiner Amtszeit alles tat, um die Verhandlungen mit der EU über eine Rettung der maroden Banken in die Länge zu ziehen. In Wahlkampfzeiten wäre die Unterwerfung unter ein Brüsseler Spardiktat Gift für die Chancen der AKEL gewesen, die sich trotz Krise nicht von der linken Parteien intrinsischen Freibier-für-Alle-Mentalität trennen konnte.

Christofias trieb es mit seiner Verzögerungstaktik so weit, dass es im November letzten Jahres fast schon einmal zu einem Bankrun gekommen wäre. Viele Zyprer zweifelten am Mantra von der baldigen Rettung der maroden Finanzinstitute mit EU-Geldern und wollten an ihr Erspartes. In letzter Sekunde trat Christofias vor die Presse und verkündete, dass eine Einigung mit der Troika unmittelbar bevor stehe. Die Bürger ließen ihre Euros bei den Banken. Dumm gelaufen. Als letzte Woche ruchbar wurde, dass die Bankkunden von der EU zu Kasse gebeten werden, machte es die Politelite besser und räumte ihre Konten.

Darunter dürften auch viele Kommunisten gewesen sein, die unter Christofias’ Ägide ausgiebig am zyprischen Geschäftsmodell verdient hatten. Das bestand bekanntlich im wesentlichen daraus, mit vornehmlich russischem Schwarzgeld einen aufgeblähten Staatsapparat zu finanzieren und ansonsten allerlei nette Geschenke an die Wähler zu verteilen. So hätte es ewig weitergehen können im Arbeiter- und Bankerstaat. Die hohen Einnahmen aus dem Finanzsektor machten sogar kommunistisches Management rentabel: Wenn von der AKEL kontrollierte Firmenkonglomerate herbe Verluste einfuhren, dann schrieben die Banken das Geld einfach ab. Kein Problem, die Kassen waren Dank der fleißigen Rubelwäscher schließlich gut gefüllt. Als der Finanzsektor in Schieflage geriet und die lustige Funktionärswirtschaft plötzlich nicht mehr finanzierbar war fiel der Schock entsprechend groß aus. Die AKEL-Funktionäre verbrachten den Wahlkampf damit, über den vermaledeiten Neoliberalismus zu klagen, der angeblich an dem ganzen Schlamassel Schuld sei.

Dabei ist das Gegenteil der Fall. Nicht die Steuerflüchtlinge aus Moskau und anderswo haben den zyprische Banken den Gar ausgemacht, sondern griechische Staatsanleihen, in die man massiv investiert war. Genau genommen ist das zyprische Modell Opfer der griechischen Schuldenmisere und des von der EU oktroyierten Haircuts geworden. Und was lernen wir daraus? Lieber Geschäfte mit der Russenmafia machen als Staatsanleihen aus der Eurouzone kaufen.