Was einst nur als Anlagetipp für paranoide Millizionäre aus Hinterkentucky taugte sollte angesichts der Teilenteignung zypriotischer Sparer von jedem Eurozoni ernsthaft in Erwägung gezogen werden. Dass beim neuesten Coup der Euroretter auch Guthaben unter 100.000 EUR einbezogen werden zeigt deutlich wohin die Reise geht.

Die Augstein-Prawda ist naturgemäß begeistert:

Für die Steuerzahler Europas ist es eine Frage der Gerechtigkeit, dass man sie nicht mit den Krisenkosten allein lässt. Nur so lässt sich verhindern, dass die Euro-Krise zu noch mehr Europa-Verdrossenheit führt.

und bringt die Zukunft der Rettungspolitik erfrischend ehrlich auf den Punkt:

Wer die Probleme der Euro-Zone lösen will, muss sich zusätzliches Geld dort beschaffen, wo es sich finden lässt

Also beispielsweise auf unseren Sparkonten. Wobei das bereits passiert. Dank Bazooka-Draghi sind die Zinsen niedrig wie nie. Noch nicht einmal die geschönte offizielle Inflationsrate kann so reingeholt werden, von der realen ganz zu schweigen. Schleichende Enteignung mit der Druckerpresse ist also schon Realität, aber weil das auch nicht reichen wird muss man jetzt eben einen Zacken zuzulegen:

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält die Beteiligung privater Sparer für fair. “Damit werden die Verantwortlichen zum Teil mit einbezogen”, sagte die CDU-Chefin, “und nicht nur die Steuerzahler anderer Länder. Ich finde, das ist richtig.”

Klar, die kleinen Sparer sind daran schuld, dass der bis ins Mark korrupte staatsmonopolistische Finanzkapitalismus kollabiert.

“Sie bestrafen uns einfache Zyprer”, sagte der Ingenieur Andreas Stylianou aus Nikosia der Nachrichtenagentur dpa. “Wir arbeiten, legen etwas zurück, und jetzt nehmen sie unser Geld. Das ist ungerecht. Sehr ungerecht.”

Ich sage nur Gold und Waffen, Andreas!