Wer sich erdreistet Milliarden für einen guten Zweck zu spenden, der gehört sofort enteignet. Das ist die Quintessenz vieler gehässiger Kommentare unter den meist wohlwollenden Artikeln zu Hasso Plattners Milliardenspende. Nur auf die SZ Verlass. Das Zentralorgan der Studienräte und Frauenbeauftragten gibt dem gesunden Volksempfinden eine Stimme. Plattner, so müssen wir erfahren, ist nämlich weder ein „Gutmensch“ noch ein „Heiliger“ und schon gar nicht “großherzig”. In Wirklichkeit ist der Mann ein eiskalter Kapitalist, so wie seine amerikanischen Spießgesellen Bill Gates und Warren Buffet.

Hilfe für AIDS-Kranke in Afrika, wie sie Gates finanziert, ist natürlich ganz nett, aber man darf darüber nicht vergessen, dass die milliardenschweren Wohltäter dieser Welt nicht selten „durchsetzungsstarke Unternehmer, knallharte Arbeitgeber und Monopolisten“ sind die „streitbare Geschäftsgebaren“  an den Tag legen, gelegentlich gibt es in diesen Kreisen sogar „kartellrechtlichen Ärger“.  Mit ihren Milliardenspenden gefährden diese Schurken sogar die Demokratie, denn Herr Plattner ist gar nicht „politisch legitimiert“ und erfrecht sich trotzdem selbst zu entscheiden, was er für „gut und förderungswürdig“ hält. Da wird es höchste Zeit den leider aktuell ein wenig klammen Staat „so gut mit Geld auszustatten“, „dass es dann die demokratisch legitimierten Gremien sind, die entscheiden, wo das Geld für die Gesellschaft am besten und am gerechtesten angelegt ist. Und nicht ein einzelner Milliardär“.

„Die Schlussfolgerung ist klar“ lässt und das Neue Süddeutschland wissen: „Es muss eine hohe Erbschaftsteuer geben. Und eine Vermögensteuer auf so große Vermögen. Demokratische Gesellschaften sollten selbstbewusster mit ihren Reichen umgehen. Und sie sollte sie nicht verklären für ihre Spendierfreude“.

Der SZ gebührt das Verdienst sämtliche Vorurteile ins Reine geschrieben zu haben, die staatsgläubige Neiddeutsche wohlhabenden Mäzenen entgegenbringen. Die völlige Ignoranz gegenüber der Lebensleistung von Menschen wie Plattner fällt dabei als erstes ins Auge. Der Mann dürfte in einem Jahr mehr Steuern zahlen als die gesamte SZ-Belegschaft in hundert, so viel zu dem Argument, Firmengründer würden dem Staat etwas schulden, weil der dafür gesorgt hätte, „dass weder dem kleinem Bill noch dem kleinem Warren oder dem kleinen Hasso auf dem Weg zur Schule einer den Kopf eingeschlagen hat“. Von den Arbeitsplätzen die bei SAP entstanden sind und der dort erwirtschafteten Umsatzsteuer ganz zu Schweigen. Natürlich hat Herr Plattner das alles nicht aus purer Nächstenliebe getan, sondern um seine geniale Geschäftsidee umzusetzen. Das ist das wunderbare an der Marktwirtschaft, dass es nicht der sehr seltenen Eigenschaft der Selbstlosigkeit bedarf um Gutes zu  erwirken. Eigennutz reicht völlig aus.

Menschen wie Plattner und Gates haben ein Vermögen erworben weil sie etwas anbieten, wofür viele Kunden aus freien Stücken Geld ausgeben. Der Staat hingegen nimmt seinen Bürgern unter Androhung von Zwang große Teile ihres Einkommens weg und verwendet sie nach Gutdünken. Alle paar Jahre dürfen wir dann über die personelle Zusammensetzung der Räuberbande abstimmen. Das ist bestenfalls Etatismus mit demokratischem Antlitz, aber bestimmt keine Demokratie, also Herrschaft des Volkes, im Wortsinne. Die Klage darüber, dass der Staat leider trotzdem kaum Geld habe macht schon deutlich, wo ein weiterer Denkfehler der obrigkeitsgläubigen Leviathangroupies liegt: Wer trotz Abermilliarden von Steuereinnahmen pleite ist, der kann offensichtlich nicht mit Geld umgehen. Wenn man die unternehmerische Leistung des Staates –  BER und der Nürburg-Ring lassen grüßen – mit der Performance von SAP vergleicht, dann bekomme ich richtig Lust meine Steuern in Zukunft an Hasso Plattner abzuführen, der würde das Geld wenigstens sinnvoll investieren.

Und was die Furcht vor privat finanzierten Parallelgesellschaften angeht: Auch wenn es Etatisten jeglicher Couleur schmerzt, aber man kann Menschen nicht kontrollieren, indem man Milliarden für Universitäten und Krankenhäuser ausgibt. So was geht nur mit Geheimpolizei, Folterkellern und Gulag, also Methoden aus der Domäne der Staatsfunktionäre. Von Staaten betriebene Kriege und Genozide haben im vergangenen Jahrhundert Millionen von Toten gefordert. Etwas mehr kritische Distanz zum guten Vater Staat würde gerade uns Deutschen besser zu Gesicht stehen als der vorauseilende Untertanengehorsam, der oft genug die politische Meinungsbildung dominiert. Oder anders gesagt: Die Bedrohung von Recht und Freiheit ging historisch gesehen eher selten von reichen Wohltätern und streitbaren Geschäftsleuten aus. Die Demokratie wird nicht dadurch untergraben, dass ein Milliardär selbst entscheidet, wem er sein Geld spenden möchte. Das ist eine durch das Recht auf Eigentum bedingte Selbstverständlichkeit. Vielmehr gefährdet die totalitäre Idee, dass die Mitbestimmung des Kollektivs für die Demokratie wichtiger sei als die Selbstbestimmung des Individuums die Freiheit jedes Einzelnen. Auch deswegen ist jede private Initiative die in staatliche Monopole einbricht zu begrüßen, denn nur so kann auf lange Sicht Vielfalt jenseits staatlicher Gleichschaltung entstehen.