Die große Überraschung war vielleicht vier Zentimeter lang, ziemlich braun, von fester Konsistenz und rutschte ohne Vorwarnung einfach so in die Kloschüssel.

Es ist schon erstaunlich, was man den linksbürgerlichen Lesern bei ZEIT online unter der Rubrik „Lebensart“ anbietet.

Wasser und Tee spülen die Versorgungsleitungen so gründlich durch, dass man nachts drei, vier Mal auf Klo gehen muss. Die Einläufe besorgen den Rest. Die Gifte gehen, ein weiches, seltsames, unfassbares Glück kommt.

Leserinnen von Frauenzeitschriften und erfahrene Hypochonder wissen schon worum es geht: Heilfasten, oder wie wir rational denkenden Menschen sagen, Esoterik-Beschiss. ZEIT online entblödet sich nicht, die längst widerlegten Mythen von „Entgiftung“ und spiritueller Reinigung durch mehrtägiges Hungern anzupreisen. Solche Artikel erwarten den geneigten Leser sonst eher im „Goldenen Blatt“ oder bei „Bild der Frau“. Genau betrachtet passt das Gefasel vom ganzheitlichen Glück dank Yoga, Kräutertee und Darmspülungen dann aber doch in den aktuellen bildungsbürgerlichen Zeitgeist, der gerne Verzicht und Rückbesinnung auf das Wesentliche fordert. Wo die Grenzen des Wachstums mahnen, da blühen die Fastenkuren, und wer sich jeglichen leiblichen Genuss versagt, dem bleiben nur noch Stuhlgangorgien im Zisterzienserkloster.

Der Kursleiter sagt, wir sollen uns nicht fragen: Was wollen wir? Wir sollen uns fragen: Was können wir weglassen?

Also auf meiner Verzichtsliste stehen Einläufe und esoterische Fäkalideologien ganz weit oben. Bei leidenschaftlichen Anhängern des Heilfastens sollte man ohnehin eher von Klysmaphilie ausgehen anstatt von echtem Interesse an spirituellen Erfahrungen. Als Liberale gönne ich jedem Tierchen sein Klistierchen, aber wenn ausgefallene Sexualpraktiken als ganzheitliche Gesundheitstipps verkauft werden, dann ist das journalistisch unredlich.