Deutsche, kauft nicht beim Schirrmacher. Der böse Kapitalist will mit seiner Kapitalismuskritik nur seinen Reibach auf Kosten hart arbeitender Bürger machen. Seine frühzeitige Entdeckung von Eigennutzaxiom  und Spieltheorie nutzt er zur Verbreitung populärmarxistischer Klischees. Ziemlich alter Essig in neuen Schläuchen bleibt kein guter Tropfen. Dass ausgerechnet der führende Antisemit des Landes, der linke Erbe Jakob Walser Augstein ihm öffentlich mit Lob beispringt, ist bezeichnend. Wie schön dass der Herr, wenn es ihn denn gibt, die Propaganda-Show zunächst einmal mit dem Ratzinger-Rücktritt verhinderte.

Selbst Jesus war kein Altruist. Er wollte Gott sein. Wie wir alle ist Schirrmacher nicht besser. Er bedient seine Eitelkeiten und seinen Geltungsdrang und kassiert neben einem veritablen Gehalt als FAZ-Herausgeber auch noch ordentliche Tantiemen für sein EGO-Shooter-Buch. Im Deutschlandfunk  behauptet er zwar, er wolle sich nur Klarheit verschaffen. Klarheit über sein Konto vielleicht. Ginge es ihm nur um die Wirkung, wäre das immer noch egozentrisch.  Dann könnte er es ja kostenlos auf der Achse der Guten verlinken.

Schirrmachers Ruf als konservativer Vordenker verhält sich proportional gegenteilig zu seiner zur Schau gestellten geistigen Armut. Nach dem Ende des kalten Krieges hätten sich die Atomphysiker der Wall Street bemächtigt und mit der Spieltheorie das Gefangenendilemma instrumentalisiert, um die böse Fratze des Kapitalismus bis zur Unkenntlichkeit zu maximieren.

Kein Wunder dass der Kapitalist Jakob Augstein, der sein Vermögen nicht verdient hat (sondern ererbt) in seiner Hauspostille dem bürgerlichen Kapitalisten und Kapitalismuskritiker beispringt. Dort muss er keinen Widerspruch dulden, weil er den Chefredakteur im Zweifel selbst entlassen kann. Das ist intellektuelle Unzucht mit Abhängigen.  Er verbreitet sich nur, wo er bezahlt.

Schirrmacher und Augstein sind Gefangene. Ihr Dilemma ist die Prägung durch das Konstrukt des Marxismus, in dem die Menschen, die ihren Willen verfolgen, schlecht sind und diejenigen, die dem vermeintlichen Gemeinwohl huldigen, gut. Je löchriger die Philosophie desto überhöhter dessen Glorifizierung. Selbst Schirrmacher ist immer noch fassungslos über den Zusammenbruch der osteuropäischen Diktaturen und das Ende der Illusion des Marxismus. In der DDR war der Sozialismus doch einfach nur schlecht gemacht.

Der Hang des deutschen Bürgertums zum Sozialismus nach dem vermeintlichen Scheitern der Marktwirtschaft hat den ganzen Kontinent schon einmal in die Katastrophe geführt. Denn die Diktatoren brauchen immer Schuldige, die als Sündenböcke dafür hinhalten, dass die sozialistische Utopie sich nicht einstellt, ob national oder nicht. Der Unterschied zwischen den braunen und den roten Menschenverachtern  ist dabei kleiner als gemeinhin gedacht.

Schirrmachers Polemik ist deshalb so gefährlich, weil sie mit den selben Ingredenzien wirbt, die auch Ende der Zwanziger Jahre die Saat für die Braune Brut legten.

Dabei ist seine Analyse grundfalsch. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetdiktaturen und ihrer Satelliten geht es den Menschen auf der ganzen Welt immer besser. Niemand wird behaupten können, dass Polen, Tschechen, Slowaken, Letten, Esten, Inder oder Chinesen durch die Verbreitung des Kapitalismus in ihren Ländern verelendet wären. Das Gegenteil ist der Fall. Mit der Zunahme der Verflechtung der Wirtschaft steigt überall erst der Wohlstand und dann im Schlepptau die Freiheit und es entstehen Rechtsstaaten. Nicht immer nach unseren Maßstäben, aber Dynamik und Verbesserung zählen.

Das Wachsen des weltweiten Wohlstands basiert nur auf zwei Grundlagen: Dem Eigennutzaxiom und dem Wettbewerb. Und natürlich der Tatsache, dass Wissen immer schneller verbreitet wird und immer preiswerter wird. Und dass die elektronische Kommunikation nicht nur schneller funktioniert sondern deFacto auch fast nichts kostet.

Schirrmachers Billig-Sozialismus bemüht für seine Angst vor den unerbittlichen Finanzkapitalisten, denen das Etikett jüdisch nicht angeheftet wird (Väter der Weltverschwörung sind bei ihm Atomphysiker), den anonymen Algorhytmus, den er nicht versteht. Er lenkt unsichtbar unser egozentrisches Handeln und verzerrt den Charakter des guten Menschen.

Natürlich bestimmen mathematische Prozesse unser Leben und unsere Wahrnehmung. Auch auf der FAZ-Eingangsseite bleiben nur die Texte lange stehen, die hohe Zugriffszahlen verzeichnen. Nicht anders funktioniert der Google-Algorhytmus, der die Suchergebnisse nach der Häufigkeit der Zugriffe in Kombination mit dem eingegebenen Begriff sucht. Und der Börsencomputer operiert nicht anders. Fällt der Kurs einer Aktie unter einen Schwellenwert, wird automatisch verkauft. Der Computer verhält sich nicht anders wie der Händler auf dem Parkett, nur schneller.

Schirrmacher entpuppt sich als vermeintlich guter alter Konservativer, der die Welt nicht mehr versteht. Zu wenig für ein Buch. Und zu armselig für einen Intellektuellen.