Ich komme momentan aus beruflichen Gründen zu wenig zum bloggen, doch zum Glück hat Daniel Fallenstein die passenden Worte zur Causa #Aufschrei gefunden.

Aber den Frauen, die gejagt, vergewaltigt, aufgeschlitzt oder erschossen werden, folgt keine akademisch gebildete Elite auf Twitter. Die schwatzenden Klassen interessieren sich mit Vorliebe für ihresgleichen. Wer sich erdreistet nach den Milieus der brutalsten Täter zu fragen, gilt schnell als Rassist, gar als »Herrenreiter«, der vom viel schlimmeren Alltagssexismus der Brüderles ablenken wolle. Die Mitarbeiterin von Terre de Femmes, die mir aus bitterer Erfahrung bestätigte, wo die drängenderen Probleme liegen, wird nach dieser Logik wohl zur Steigbügelhalterin.

Diese narzisstische Selbstbezogenheit führt zu einer bitteren Pointe. Ich interviewte im Rahmen der erwähnten Recherche auch Aylin Korkmaz, deren Ex-Mann ihr Gesicht zerschnitt, beim beinahe erfolgreichen Versuch sie zu ermorden. Sie veröffentlichte fast drei Jahre vor dem #Aufschrei ihr Buch; ausgerechnet mit dem Titel »Ich schrie um mein Leben«. Natürlich erhielt Aylin Korkmaz nicht annähernd die Aufmerksamkeit die heute darauf verwendet wird zu erörtern, wo die Grenze zwischen Flirt und Belästigung liegt.

Liebe deutsche Qualitätsfeministinnen, wo wart ihr, als vor ein paar Wochen drei Vergewaltiger in Berlin mit Bewährungsstrafen davon kamen? Und jetzt wollt ihr uns erzählen, die Zoten angetüdelter Politopas wären kein Luxusproblem einiger Karrierejournalistinnen, sondern der “wahre Sexismus”? Ihr könnt mich mal, aber so was von.