Augstein ohne Ende. Diesmal hält Henryk M. Broder hinterlistig die Debatte am Köcheln in dem er sich entschuldigt und damit den Kritiker scheinbar Recht gibt. Bei Lichte betrachtet ist das Gegenteil der Fall. Broder entschuldigt sich für den Streicher-Vergleich, um ihn gleichzeitig zu bekräftigen. Und SPON und SZ tappen bereitwillig in die Falle. 

Das was die für eine Kapitulation oder mindestens für einen Frontbegradigung halten, ist in Wahrheit eine Finte. Denn an dem Vorwurf, dass Augstein ein lupenreiner Antisemit sei, rüttelt Broder nicht. Er relativiert nichts. Er weist nur darauf hin, dass die Mittel, die Augstein nutzt, andere sind als Julius Streicher. Der Freitag macht seine Sache eben doch genauso gut wie der “Völkische Beobachter” weil er den gepflegten Antisemitismus stilgerecht und zeitgemäß in die Medienlandschaft wirft.

Augsteins Vorurteile werden so subtil vorgebracht, dass sie eben nicht offensichtlich das Klischee vom bösen Juden bedienen sondern verstecken sich hinter dem humanitären Einsatz für das von den Israelis gebeutelte palästinensische Volk. Und das ist viel gekonnter als die platte Propaganda, der sich die Nazis bedienten. Aber das ist den Chefs vom Dienst bei SZ und Spiegel Online im Eifer des Gefechts kaum aufgefallen. Im Gegenteil. Ihre mangelnden intellektuellen Fähigkeiten, aus denen ihre von Reflexen gesteuerte Copy- and Paste-Publizistik resultiert,  erleichtern es den Campagneros aller Art, ihre Interessen über die scheinbar unabhängige Qualitätspresse zu verbreiten.