Jeder Deutsche isst in seinem Leben knapp 1000 Tiere, das haben der Vegetarierbund und die Böll-Stiftung herausgefunden. Dazu kann man stehen wie man will, was diese Meldung ganz oben auf der Startseite von ZEIT-Online zu suchen hat erschließt sich mir eher nicht. Es gibt wirklich wichtigere Nachrichten auf der Welt, obwohl der Furor, mit dem dieser Artikel gegen den “Fleischwahn” anschreibt, anderes vermuten lässt. Auch wenn bei der Verfasserin Marlies Uken kein Fleisch in den Kochtopf kommt, ihre Emotionen kochen allemal. Vielleicht ist das der Grund für die gelegentlich etwas wirren Ausführungen zum Sündenregister unserer carnivoren Mitbürger:

Von den zahlreichen Skandalen und negativen Entwicklungen in der Ernährungsindustrie –Dioxin in Tierfutter, Analogkäse, Klebefleisch oder Hygienemängel in Hühnerställen – lässt sich der Verbraucher offenbar immer nur kurz beeindrucken. 85 Prozent der Deutschen essen täglich Fleisch.

Wer hätte gedacht, dass der Hang der Deutschen zu Schnitzel und Bouletten auch am veganen Analogkäse schuld ist?

Besonders schlimm treiben es in Sachen Fleischeslust natürlich wieder mal die Männer, wenn das kein Argument für eine Frauenquote in der Gastronomie ist. Frau von der Leyen, übernehmen Sie! Beim Mord mit Messer und Gabel tun sich vor allem ostdeutsche Männer hervor, also genau die Bevölkerungsgruppe, die auch überproportional oft rechtsextreme Parteien wählt. Es ist keineswegs abwegig, hier einen Zusammenhang zu vermuten, denn Zusammenhänge gibt es einfach überall:

Auf der anderen Seite hat der ausufernde Fleischkonsum Folgen für Umwelt und Klima. Agrarzentren in Europa wie etwa Niedersachsen, aber auch die Beneluxstaaten, haben schon heute ein Düngerproblem. Der exzessive Einsatz von Düngemitteln zerstört sensible Ökosysteme

Wobei Dünger ja nun eigentlich für Pflanzen und nicht für Tiere bestimmt ist, aber was soll’s. Fleischfresser sind schließlich auch irgendwie daran schuld, dass die Artenvielfalt unter Nutztieren abnimmt – obwohl  es viele dieser Arten gar nicht gäbe, wenn unsere Vorfahren samt und sonders Vegetarier gewesen wären.

Außerdem erfahren wir noch, dass Schwellenländer mit der Fleischproduktion für Abnehmer in den Industriestaaten ein gutes Geschäft machen – und das ist schlimm! Warum auch immer.

Frau Uken geht angesichts dieser Misere mit gutem Beispiel voran. Wenn sie für ihre fleischfressende Familie einkauft, dann ersteht sie „hundert Gramm Aufschnitt“, der „ein paar Tage reichen muss“. Meine Güte, ich weiß, dass Journalisten schlecht bezahlt werden, aber so was ist wirklich traurig.

Warum Fleischverweigerer die besseren Menschen sein sollen bleibt bis zum bitteren Ende dieser Empörungssuada unklar, denn von der weltweiten Agrarindustrie profitieren auch Vegetarier, die der Massentierhaltung günstige Eier und Milchprodukte verdanken. Aber bevor sich die Veganer jetzt in’s Fäustchen lachen: Auch Körner können töten.